Fundstück

17. März 2013

Wir spielten ein Spiel, irgendwann gegen Morgen, und auf eine Frage antwortete ich mit roten Wangen aber dennoch relativ klar bei der Sache, ich sei ein Mensch der Vergangenheit. Mein Gegenüber hob die Augenbrauen, er habe mich anders eingeschätzt. Und ich friemelte die Füße unter die Bettdecke und nahm noch einen Schluck, während draußen die Wolken jegliches Licht fraßen und zerkauten in ihren dicken Backen. Ich glaube, Menschen der Vergangenheit friemeln ihre Füße immer unter eine Bettdecke oder ein Kissen oder unter die Oberschenkel jener, die in greifbarer Nähe sind. Ich glaube auch, Menschen der Vergangenheit brauchen einen Kissenzipfel oder schlagen die Decke beim Schlafen so um, dass die Füße in einem Sack und von jeglicher Seite geschützt sind.

(Die der Gegenwart hingegen schlafen so, dass die Füße unten aus der Decke herausgucken, seitlich ein Arm hier und da, während ich mich bis zur Nasenspitze einwickle und warte, bis der Panzer von allein abfällt irgendwann.)

Ich wäre gern irgendwann jemand, der sich hinlegt und schläft. Mit oder ohne Decke. Unter einem Baum vor den Dächern der Stadt, vielleicht sogar auf einem Dach, von den schnellen Schritten in die Horizontale mit dem Blick in Wolken und Äste und tiefes Blau, ohne jegliches Hinterfragen und Stottern zwischen Schlaf und Wach hin und her. „Hier liege ich, hier schlafe ich“. Ungeschützt und aus dem Stand heraus. Ich glaube, so schläft der, der von sich sagen würde, er sei ein Mensch der Zukunft.

[Elisabeth Rank – In a train, removing me from the past. // hier]

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