Eltern II

25. März 2015

Dass ich eine wunderbare und unglaublich bereichernde Brieffreundschaft führe, mag an der ein oder anderen Stelle schon einmal angeklungen sein. Da mich momentan vieles beschäftigt, was ich auch dort aufschreibe, habe ich beschlossen, zukünftig hin und wieder daraus zu zitieren und dies mit dem Label Briefe zu kennzeichnen. Namen und Orte werden (falls sie auftauchen) von mir gestrichen. Vielleicht passe ich auch das ein oder andere Mal den Inhalt etwas an, was Satzbau oder ähnliches angeht.

Mein Vater an und ich telefonierten ziemlich lange. Er ist ein Mensch, der nicht die offene Konfrontation sucht, sondern stattdessen stets nur Andeutungen macht, womit er für mich unangreifbar ist. Damit kann ich gar nicht gut umgehen, aber gestern ist es mir irgendwie gelungen: Ich habe ihn (und auch mich) dazu gebracht, dass wir endlich mal alles ausgesprochen haben, was die letzten zwei, drei Jahre in uns schwelte. Erst einmal hagelte es gegenseitige Vorwürfe und dann wollte er das Gespräch beenden. Ich bin aber (fast zu meinem eigenen Erstaunen) drangeblieben und habe ihn gefragt, ob er denn überhaupt Interesse hat, etwas für unsere Beziehung zu tun oder nicht. Und damit habe ich ihn wohl gekriegt. Wir haben uns beide entschuldigt, unsere Verhaltensweisen erklärt und uns darauf geeinigt „es nochmal zu versuchen“. Gestern war ich sehr erleichtert darüber, aber heute sehe ich das Ganze etwas ’neutraler‘: Ich werde ihm definitiv noch eine Chance geben und versuchen, auch von mir aus Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Wenn das allerdings nicht gelingen sollte und er sich wieder so verhält wie die letzten Jahre, möchte ich nichts mehr in diese Beziehung investieren. Das muss nicht einmal bedeuten, dass ich den Kontakt aktiv abbreche; aber ich will aufhören darauf zu hoffen, dass er sich ändert. Wenn er sich meldet ist es gut, wenn nicht dann ist das eben so. Damit bin ich bisher ja auch (fast erstaunlich) gut klargekommen. Es war sogar fast eine Erleichterung und dass ich nun weiß, dass wir uns ausgesprochen haben und es ’noch einmal versuchen‘ wollen, ist ein bisschen belastend für mich. Am Ende kann ja nur die Zeit zeigen, ob es etwas nützt – ich wüsste das aber gern jetzt schon. Naja, am Montag fliegen er und seine Freundin für zwei Wochen in den Urlaub und am Samstag gehen wir alle zusammen (der Liebste und ich, mein Bruder samt Freundin, mein Vater, seine Freundin und deren Tochter) gemeinsam essen. Ich hoffe, dass es entspannt und irgendwie einfach okay wird.

Und nun? Ich weiß es nicht. Abwarten und sehen, was die Zeit bringt. Manchmal wünschte ich mir, wir wohnten weiter auseinander (so wie früher) – dann hätten wir zumindest eine offizielle Ausrede, uns nicht zu sehen.

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