Bodhránwochenende

29. Februar 2016

Es gibt so Erlebnisse, die sich für mich nur schwer in Worte fassen lassen. Das vergangene Wochenende gehört zwar dazu, ich möchte es aber trotzdem gern versuchen.

Die Vorgeschichte reicht wohl etwa ein Dreivierteljahr zurück, denn da erfuhr ich erstmalig von jenem Instrument, welches mich seitdem so fasziniert: Ich sah (und hörte) zum ersten Mal eine Bodhrán. Die Bodhrán ist eine irische Rahmentrommel, bei der eine Hand mit dem Tipper spielt, während die andere Hand (die Fellhand) die Tonhöhe verändert. Ein paar sehr beedinruckende Spieler sind beispielsweise John Joe Kelly oder auch Rónán Ó Snodaigh, um nur zwei zu nennen (natürlich gibt es noch viel mehr tolle und vor allem sehr unterschiedliche Spieler).

Um nun nicht zu weit auszuholen: Ich beschäftigte mich etwas mehr damit und kam so auf die Seiten von Rolf und Guido. Die beiden bieten jeweils im Frühjahr und im Herbst Bodhrán-Weekends an und ich beschloss, dass ich das zu gern irgendwann einmal machen möchte. Nun ergab es sich, dass der Liebste und ich am letzten Wochenende den Freitag frei hatten. Eine Woche zuvor las ich, dass das nächste Bodhrán-Weekend undmittelbar bevorstand, also kontaktierte ich Rolf und fragte ihn, ob noch zwei Plätze und ein Doppelzimmer frei seien. Beides bejahte er nach Rücksprache mit Guido und so meldeten der Liebste und ich uns direkt ohne langes Zögern an.

Freitagnachmittag machten wir uns also auf den Weg zur Proitzer Mühle, wo wir das Wochenende verbringen wollten. Der Weg dorthin war gar nicht so leicht zu finden, durch viele kleine Dörfer, ein langes Stück Wald und viele kleine Straßen entlang fuhren wir, bis wir ankamen. Dort waren auch schon einige andere Teilnehmer, die uns erklärten, wie alles funktionierte. Also holten wir unseren Zimmerschlüssel und bezogen unser Quartier. Ein wunderschönes Zimmer erwartete uns – ich muss aber dazu sagen, dass ich alle Zimmer, die ich so gesehen habe, wirklich schön fand. Überall alte Holzmöbel, alles sehr liebevoll eingerichtet und insgesamt total stimmig.

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Nach dem Abendessen gab es eine Begrüßungsrunde und dann ging es auch direkt los, die erste Bodhránstunde stand an. Ich suchte mir also eine Bodhrán und einen Tipper aus und schon startete Guido mit Erklärungen und unsere kleine Gruppe spielte zum ersten Mal. Das war schon ein ziemlich tolles und aufregendes Gefühl. Sofort spürte ich, wie viel Spaß mit das ganze machte und ich sog alle Informationen, die wir bekamen, förmlich auf. Ganz schnell war die Zeit um und im Anschluss ging es hinüber ins Haupthaus, wo es am Abend eine Slow Session mit Hamburger Musiker*innen geben sollte. Die Stimmung war fabelhaft, die Jigs und Reels nicht zu schnell und so war es auch uns absoluten Anfängern möglich, ein paar Stücke leise mitzuspielen – ein ziemlich erhebendes Gefühl.
Zudem gab es noch ein – eher ungewöhnliches – Whiskytasting. Dieses bestand nämlich darin, dass Interessierte einen Schluck ihres eigenen Whisky mitbringen konnten, um dann auch bei den Anderen zu probieren und sich auszutauschen. Glücklicherweise hatte mein Liebster eine Flasche dabei und so probierte auch ich an diesem Abend mal einen sehr milden Schluck.
Immer wieder ergaben sich gute Gespräche mit den Anderen, bis wir dann gegen zwei Uhr ziemlich müde ins Bett fielen.

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Der nächste Morgen startete etwas langsam mit einem reichhaltigen Frühstück. Die Stimmung war müde aber gut und spätestens nach dem TaKeTiNa-Kurs von Dörthe waren die Meisten wieder wach.
Ich selbst hatte zuvor noch nie TaKeTiNa gemacht und muss sagen, dass es mir wirklich gut gefallen hat. Vor allem für meine Konzentration war es sehr förderlich und hinterher machte sich eine wunderbar angenehme entspannte Wachheit in mir breit. Diese konnte ich auch gleich für die nächste Bodhránstunde, dieses Mal bei Rolf, nutzen. Auch so eine Sache, die mir gut gefallen hat: Alle Gruppen hatten abwechselnd bei Guido und Rolf Unterricht. Beide ergänzen sich wunderbar und ich konnte wirklich ganz viel mitnehmen.
An diesem Vormittag hatte ich zunächst eine andere Bodhrán in der Hand, um ein bisschen auszuprobieren. Und das war wirklich frustrierend für mich! Ich konnte sie einfach nicht gut spielen und wusste nicht, woran es lag. Bis es mir dann aufging: diese war kleiner, dafür aber etwas tiefer. Zwar klang sie wunderbar, doch die Proportionen stimmten für mich einfach nicht. Ich war so froh, als ich mein Instrument wiederfand!
Mittags gab es eine längere Pause zum Essen und Entspannen, bevor nachmittags wieder eine Stunde Unterricht folgte. Nach dem Abendessen gab es dann das nächste Highlight: Zuerst einen Vortrag von Rolf und dann ein wunderbares Konzert.
Kalüün spielten auf der Mühle und begeisterten mich wirklich. Die beiden Geschwisterpaare von der Insel Föhr machen wunderbar friesische Musik. Ruhige und schnelle Stücke wechselten sich ab und die Zeit verging wie im Flug. Glücklicherweise blieb die Band noch, um den Abend mit uns und einigen Sessionmusikern aus Hamburg und Hannover ausklingen zu lassen. Wieder wurde es ein toller, lustiger, und ziemlich langer Abend für fast alle von uns.

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Am nächsten Morgen fiel es mir echt schwer, nicht liegenzubleiben… Irgendwie schaffte ich es aber trotzdem, aufzustehen, meine Sachen zusammenzupacken und rechtzeitig beim Frühstück zu sein. Noch einmal nahmen wir danach am TaKeTiNa teil, hatten die letzte Bodhránstunde bei Rolf und brachen schließlich nach dem Mittagessen bei strahlendem Sonnenschein (wie das ganze Wochenende über) auf.
Ich hatte definitiv richtig viel Spaß und freue mich unglaublich darüber, dass ich mich schließlich dazu entschieden habe meine Bodhrán und meinen Tipper mit nach Hause zu nehmen. Viele der Informationen beginnen, sich zu setzen und ich denke, dass ich tatsächlich mein Instrument gefunden habe. Beim nächsten Workshop möchte ich auf jeden Fall wieder dabeisein !

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