Entscheidungen

6. Juni 2016

Es gibt so Momente im Leben, da muss man sich entscheiden.
Manchmal sind es große, wichtige Dinge, manchmal ganz kleine.
Gut ist es, wenn man wenigstens (fast) nur für sich entscheidet. Nicht so gut, wenn jemand anders mit im Spiel ist, der keine Entscheidungsmacht hat – oder nur eine begrenzte.
Heute musste ich mich entscheiden – für mich und gegen eine Gruppenarbeit. Für diese Entscheidung hatte ich nur wenig Zeit und schon bevor ich wusste, wie ich entscheiden würde, fühlte ich mich schlecht.
Es ist ja so, dass ich mein Leben und somit auch mein Studium mittlerweile vollständig selbst finanziere(n muss). Ein Zurück gibt es nicht, ich hatte vorher kaum Unterstützung, jetzt bin ich aber wirklich ganz für mich verantwortlich (den Liebsten lasse ich bei dieser Betrachtung jetzt mal außen vor, denn es ist keine Option für mich, ausschließlich zu studieren und ihn allein arbeiten zu lassen).
Nun ergab sich die Möglichkeit, mich auf eine Stelle mit mehr Geld und weniger Stunden zu bewerben – ist das nicht die scheinbar perfekte Kombination? Ich rechnete mir nicht viele Chancen aus, da ich pro forma nicht gut genug für die Stelle geeignet bin, beschloss aber, mich nichtsdestotrotz auf den Job zu bewerben.
Umso erfreuter war ich dann, als ich dazu eingeladen wurde, am 07. Juni an einer Bewerberrunde teilzunehmen. Diese wurde dann jedoch abgesagt und heute Mittag teilte man mir den Ausweichtermin mit: der 16. Juni. Super. Der einzige Tag im Juni, an dem ich wirklich, wirklich nicht kann. Denn: An diesem Tag wollte und sollte ich eine Stunde mit meiner liebsten Brieffreundin halten, eine Stunde, die benotet würde und damit dann meine erste Prüfungsleistung im Masterstudium gewesen wäre.
Ich rief also die zuständige Person an und fragte nach, ob es irgendeine Möglichkeit gäbe, den Termin zu verschieben… Das Problem war nur, dass eben alle Bewerber*innen an diesem Tag eingeladen sind. Durch die Blume sagte man mir, dass ich raus sei, wenn ich den Termin nicht wahrnehmen könne, da eine Verschiebung nahezu unmöglich sei.
Gut, könnte man nun sagen, was soll’s, dann wollen sie mich eben nicht genug. Es ist aber so, dass meine aktuelle Stelle befristet und eine Weiterbeschäftigung zur Zeit wirklich vollkommen offen ist. Es wäre also möglich, dass ich, wenn ich nicht zu diesem Bewerbungsgespräch gehe, bald ganz ohne Stelle dastehe.
Ich überlegte hin und her, vereinbarte einen ganz spontanen Termin mit dem Dozenten und meiner Freundin und musste dann entscheiden.
Ich entschied mich für mich, für die Bewerbung.
Immer mit dem Wissen im Hinterkopf (und momentan auch ganz vorne in den Gedanken), dass ich bei Ablehnung gar nichts habe, weder die Stelle, noch meine Prüfungsleistung. Darüber muss ich noch hinwegkommen.
Viel schlimmer finde ich jedoch die Tatsache, si kurzfristig eine gemeinsame Arbeit abgesagt zu haben. Ich möchte immer verlässlich sein und eine gute Partnerin, aber das ist nicht immer möglich.
Nun sitze ich seit über einer Stunde hier und grübele und wäge ab, auch wenn an sich alles entschieden ist.
Mein schlechtes Gewissen ist riesig und dazu kommt, noch von früher, gleich der Wunsch, mich für das im-Stich-lassen einer sehr guten Freundin zu bestrafen. Ich bemühe mich, das nicht zu tun sondern die Situation so anzunehmen, wie sie ist: vertrackt.
Ich kann nichts mehr ändern, nur versuchen, das Beste daraus zu machen.
Ich kann Hilfestellung anbieten, Bücher weitergeben und kopierte Artikel mitbringen. Und mich so gut es geht aus das kommende Gespräch vorbereiten. Während dem ich dann hoffentlich nicht daran denke, dass ich momentan eigentlich in der Uni sein solle.
Und es nicht bin.

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