Erinnerungen, Teil 5

1. August 2016

Einmal in der Woche teile ich, immer zu einer bestimmten Frage, eine oder auch mal mehrere Erinnerungen, die dann auch in der gleichnamigen Kategorie zu finden sind. In der letzten Woche wurde die Reihe unterbrochen, weil ich es nicht geschafft habe – und auch nicht wirklich Muße dazu hatte. Heute geht es aber wie gehabt weiter.
Wer mitmachen möchte, ist herzlich dazu eingeladen.

Welche Songs lösen bei dir eine Erinnerung oder ein „Stimmt, das gab es ja auch“-Gefühl aus? Schreibe drei auf. An was erinnern sie dich?

Puh, es gibt so unglaublich viele Lieder, die bei mir dieses Gefühl auslösen! Oft tauchen sie ganz unvermittelt auf, manchmal im Radio, in einer Playlist oder auch als Ohrwurm in meinem Kopf. Eine Auswahl zu treffen ist da echt schwer, ich glaube aber, ich wähle drei Lieder aus meiner früheren Kindheit, so habe ich zumindest einen Anhaltspunkt.

  1. BAP – Verdamp lang her / Ach, dieses Lied. Ich liebe es sehr und werde immer melancholisch, wenn ich es höre. Zum ersten Mal wirklich ganz bewusst habe ich es, als ich mit meiner Mama in der Stadt war:
    Es sind Karussells aufgebaut und auch Stände mit Essen und Trinken. Weihnachtsmarkt ist es aber, glaube ich, nicht, denn ich friere nicht. Ich gehe an der Hand meiner Mama über den Friedrichsplatz und da höre ich das Lied plötzlich, es läuft aus der Anlage eines Kettenkarussells. Vom Text selbst verstehe ich nichts, aber dieses „Verdamp lang her“ geht mir direkt unter die Haut. In meinem Herzen kommen die Worte an und setzen sich dort fest.
    Das nächste Mal höre ich das Lied, als ich bei meinen Großeltern im Schrebergarten bin, wo wir im Sommer fast jeden Tag verbringen. Unweit des Schrebergartens ist ein Spielplatz, direkt neben der Wirtschaft, wo ich mir manchmal ein Eis kaufen darf. Dort ist ein Tanzboden aufgebaut, direkt unter den Bäumen. Viele Leute sind da und tanzen, das Lied dröhnt aus den Boxen. Bis dahin hatte ich es völlig vergessen, doch plötzlich ist das Gefühl wieder da.
  2. Enya – Anywhere is / Dieses Lied habe ich jahrelang gesucht – ohne zu wissen, wie es heißt, oder von wem es ist. Ich wusste nur, dass es da dieses Lied gibt, an das ich ganz starke Erinnerungen habe. Dann kaufte ich mir vor Ewigkeiten (bestimmt ist es mindestens vierzehn Jahre her) eine günstige CD mit verschiedenen Liedern. Ich hörte sie durch und plötzlich war es da. Ich hatte Gänsehaut und war mitten in einer Erinnerung:
    Ich sitze im Kindersitz hinten im Auto, mein Bruder neben mir, meine Mama fährt. Es wird früher Nachmittag sein und dieses Lied läuft im Radio. Wir sind auf dem Weg zu meinem Opa, meiner Tante und meinem Onkel. Meine Oma ist bereits verstorben (ich bin also mindestens vier Jahre alt) und mein Opa wohnt im ausgebauten Dachgeschoss bei meiner Tante und meinem Onkel. Ich denke an meine Oma und spüre ganz deutlich, wie lieb ich sie habe und ihre Abwesenheit. Ich vermisse sie, doch das Lied beruhigt mich auch. Es ist alles gut, sie ist immer noch da, überall um mich herum. Wir biegen in die Straße ein, in der meine Verwandten wohnen, meine Mama parkt und stellt das Auto ab. Dann steigen wir aus.
  3. Badesalz – Alles Gute /Für mich ein Lied, das richtig gute Laune macht. Bei uns sozusagen ein Klassiker, der auf so ziemlich allen familiären Geburtstagsfeiern lief. Ich habe das Lied als Kind sehr geliebt – was bestimmt auch an der Stimmung liegt, die dann herrschte. Alle zusammen, die ganze Familie, alle gut gelaunt und dazu noch gutes Essen. Jahrelang hatte ich es ganz vergessen, doch in diesem Jahr ist es mir wieder eingefallen und ich konnte nicht anders, als den Liebsten an seinem Geburtstag damit zu überraschen. Auch hier gibt es eine Erinnerung, die mir besonders in Kopf und Herz geblieben ist:
    Mein Onkel wird zu seinem 40. Geburtstag mit einer Feier in einer dieser Straßenbahnen, die die ganze Nacht umherfahren, überrascht. Ich bin so aufgeregt, als wir zum vereinbarten Treffpunkt fahren. Oma und Opa sind schon da, natürlich auch noch andere Tanten und Onkel. Dann kommenmeine Tante, mein Cousin und meine Cousinen mit meinem Onkel an, der die Augen verbunden hat. Wir sind ganz still und warten, bis die Augenbinde abgenommen wird, um „Alles Gute!“ zu rufen. Er freut sich total und kann es gar nicht glauben. Dann kommt auch schon die Straßenbahn, wir steigen ein und ich finde es total faszinierend, gleichzeitig zu fahren und mich trotzdem frei bewegen zu können. Es gibt Schnittchen, Limo (und sicherlich auch Bier und Sekt für die Erwachsenen…) und dann läuft dieses Lied. Wir singen alle lauthals mit und ich freute mich so sehr, dass wir alle zusammen sind und gemeinsam feiern.

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