Veränderungen I

10. Oktober 2017

Ach, was hatte ich nicht alles geplant – wie viele Einträge wollte ich schreiben über die Schwangerschaft mit dem Winterbaby… Doch irgendwie war immer was (Übelkeit, Rückenschmerzen, Sodbrennen, Symphysenlockerung, …) und ich verbringe seit März sehr wenig Zeit am PC, da es mir einfach nicht (mehr) so gut tut. Stattdessen versuche ich, mich mehr zu bewegen, gerade jetzt im Herbst liebe ich es, draußen zu sein. Und natürlich gibt es auch im Fuchsbau immer etwas zu tun.
Hinzu kommt, dass durch meine Fehlgeburt Anfang des Jahres immer ein bisschen die Sorge über mir schwebte, wie lange das Winterbaby bei uns bleiben würde. Doch die längste Zeit trage ich es nun unter dem Herzen, es strampelt und stupst jeden Tag und so sind der Liebste und ich eigentlich nur noch neugierig, wer da ab Ende des Jahres bei uns leben wird.
In meinem Kopf war Schwanger sein immer etwas schönes, entspanntes… Tja, nicht so bei mir (und vielen anderen, wie ich mit der Zeit herausgefunden habe). Mein Körper veränderte sich, zeigte mir sehr deutlich, was nicht mehr ging und ich hatte lange daran zu knabbern, dass ich im Grunde genommen keinen oder kaum Einfluss darauf habe, was in mir passiert. Inzwischen kann ich das gut annehmen und habe auch meine Wege gefunden (Yoga hilft mir sehr gut dabei), aber so eine rosarote Schwangerschaft, damit kann ich nicht dienen. Natürlich weiß ich schon jetzt, dass das Winterbaby alle Mühen wert ist und ich bin voller Neugier und Vorfreude auf diesen kleinen Menschen – aber ich denke nicht, dass ich der Schwangerschaft hinterhertrauern werde, wie es andere tun.
Um die Schwangerschaft nun aber nicht komplett lautlos am Blog vorüberziehen zu lassen (und vielleicht doch wieder in die Laune zu kommen, mehr zu schreiben), fange ich nun einfach mal an und schreibe einen „Rundumeintrag“ über die ersten 30 Wochen – allerdings mit Hilfe meines Kalenders, denn mein Gedächtnis ist derzeit nicht das Beste.

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Woche 1-10

Zu uns gekommen ist das Winterbaby (um das mal so poetisch auszudrücken ;)), wie könnte es anders sein, in der Stadt, in welcher der Liebste und ich uns kennen- und lieben lernten. Wir waren zu einer Tagung in Potsdam und hatten dort eine wirklich wunderschöne Zeit.
Danach bemühte ich mich um Geduld, denn ich wusste ja gar nicht, wie mein Körper wohl nach der Ausschabung reagieren würde, wann sich alles wieder eingependelt hätte. Die Wochen vergingen und ich hatte da so eine leise Ahnung, sagte aber nichts davon und lenkte mich ab – bis zur 5. Woche.
Anfang dieser Woche war mir schrecklich übel, ich fühlte mich, als habe ich eine Magen-Darm-Grippe. So ging ich zu meinem Hausarzt, der (wie es ja oft so ist) kurz nachfragte, ob ich eine Schwangerschaft ausschließen könne. Hmm, nein. Das konnte ich tatsächlich nicht. Nachdem ich wieder zu Hause war, rief ich meinen Frauenarzt an und machte gleich einen Termin für Ende der Woche aus – ich sagte noch immer niemandem etwas davon, denn die Angst vor einer Enttäuschung und vor einem erneuten Verlust in mir war noch viel zu groß.
Drei Tage vor unserem Urlaub sah ich dann dieses kleine Würmchen, mit festem Herzschlag. Dem Liebsten erzählte ich es, sobald er von der Arbeit nach Hause kam, der Rest sollte noch nichts erfahren.
Leider sollte mir die Übelkeit noch lange Zeit erhalten bleiben, aber erst einmal stand unser Urlaub an. In diesem hatte ich aber stressbedingt (aufgebrochenes Auto, geklaute Sachen, ein Ferienhaus ohne Heizung und fließendes Wasser, …) kaum Zeit, mich damit auseinanderzusetzen, was wohl auch besser so war. Wir verkürzten den Urlaub um eine Woche und kaum zu Hause, wurde die Übelkeit wieder unerträglich, sodass ich mehrmals krankgeschrieben werden musste.

Woche 11-20

Ich probierte so ziemlich alles an Hausmitteln aus, befragte meine Hebamme, meinen Frauenarzt, las alle möglichen Artikel im Internet. An manchen Tagen war es besser, an anderen so schlimm, dass ich mich stündlich übergeben musste und entweder auf dem Sofa oder im Bett lag. Während all dieser Wochen kümmerte der Liebste sich um mich, die Katze und den Haushalt. Ich durfte mich (wenn auch mit schlechtem Gewissen) ganz auf mich konzentrieren und lernte mit der Zeit, was mir guttat – auch wenn sich das vom einen Augenblick zum anderen ändern konnte – und was nicht.
Irgendwie schaffte ich es trotzdem, den 30. Geburtstag des Liebsten zu organisieren und ihm einen schönen Tag zu machen. Glücklicherweise ging es mir an diesem Wochenende insgesamt etwas besser und so konnten wir es auch endlich den Familien sagen, die sich sehr mit uns freuten.
In der 14. Woche war es dann so weit, die Übelkeit war mit voller Wucht zurück und ich wurde in die Tagesklinik überwiesen, wo ich eine Infusion bekam, da ich nicht mehr konnte und kaum noch Kraft hatte. Die bescherte mir endlich zwei fast normale Wochen, in denen wir dann auch das Erstgespräch im Geburtshaus (unserem Wunschort für die Geburt) hatten und mal wieder etwas unternehmen konnten. Während all dieser Zeit war ich krankgeschrieben und wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Umso leichter wurde mein Herz, als mein Frauenarzt mir schließlich ein Beschäftigungsverbot aussprach. Ich würde Pausen machen und Essen können, ganz wie mein Körper es mir zeigte. An der Arbeit wären Pausen nicht ohne weiteres möglich gewesen und ich spürte, wie mir ein großer Stein vom Herzen fiel, auch wenn ich in den ersten Wochen sehr mit meinem schlechten Gewissen kämpfte. Meine Vorgesetzte und auch die anderen Mitarbeiter_innen waren aber ganz toll und unterstützten mich von Anfang an.
Endlich ließ auch die Übelkeit mehr und mehr nach und momentan kann ich sagen, dass die Erinnerung daran glücklicherweise schnell verblasst ist, auch wenn es immer noch Lebensmittel gibt, die ich konsequent vermeide, weil ich nicht einmal den Geruch ertragen kann.
Die Übelkeit wurde sehr schnell von schlimmen Rückenschmerzen abgelöst, bei denen ich weder gut sitzen, noch laufen, noch liegen konnte. Glücklicherweise hatten wir uns beim Umzug in den Fuchsbau im letzten Jahr eine richtig gute Matratze geleistet, die mir auch wirklich sehr hilft. Inzwischen habe ich noch andere Helferlein (Stillkissen, kleines Kissen für den Bauch) und es geht wieder besser – dabei half mir sicherlich auch der tolle Yoga-Kurs für Schwangere, denn endlich fühlte ich mich wieder beweglich(er).
Seit der 17. Woche habe ich nun noch sehr gemeines Sodbrennen bekommen und an den meisten Tagen half leider gar nichts. Auch hier habe ich sämtliche Hausmittel ausprobiert – und war einmal mehr froh darum, durch das Beschäftigungsverbot ganz nach meinem Bauch essen und leben zu können und viele kleine Pausen und Bewegung einzubauen.

Woche 21-30

Das Winterbaby entwickelte sich unterdessen ganz wunderbar und jede der drei Ultraschall-Untersuchungen war entspannt und schön. Dazu trug allerdings auch mein Frauenarzt wesentlich bei, der einfach ein ganz entspannter Mensch ist, sehr unaufgeregt und dafür nach wie vor bei jeder Schwangerschaft total begeistert von dem, was der Körper da leistet. Er erklärte uns alles ganz genau, nahm unsere Sorgen ernst und bestärkte uns immer wieder in etwaigen Entscheidungen.
Langsam wurden die Untersuchungen bei ihm dann von Untersuchungen im Geburtshaus abgelöst (das er mit aufgebaut hat <3) und auch die Hebammen dort waren einfach klasse, nahmen sich ganz viel Zeit und konnten noch den ein oder anderen Tipp geben.
Ich lernte nach und nach, mit dem Sodbrennen besser umzugehen und weiß jetzt auch, wann Ruhe besser ist und wann Bewegung. Zudem habe ich (auch nach einem Tipp) mal Heilerde ausprobiert, was bei mir wirklich fabelhaft funktioniert. Die Beschwerden verschwinden komplett oder doch zumindest fast. Ich habe wieder so etwas wie einen Tagesablauf und an den Wochenenden auch noch genug Energie für Unternehmungen mit dem Liebsten.
Auch der Geburtsvorbereitungskurs war ein echter Glücksgriff, wir sind eine tolle, harmonische Gruppe und die Hebamme ist ganz wunderbar. Sie nimmt sich so viel Zeit, geht auf alle Fragen ein, kann gut erklären, ohne Angst zu machen und ist noch dazu total witzig.
Einen kleinen Rückschlag gab es nochmal vor zwei Wochen, als ich abends nach dem Abendessen plötzlich kaum vor Schmerzen aufstehen konnte. Ich humpelte ins Bett, brachte das Wochenende irgendwie rum und fuhr am Montag gleich in die Frauenarztpraxis – Symphysenlockerung, kurz vor dem Urlaub. Super. Glücklicherweise habe ich wohl sehr schnell und früh reagiert und der Symphysengurt, den ich nun täglich mehrere Stunden trage, hilft mir richtig gut. Außerdem pausiere ich beim Yoga zwei Wochen und achte ziemlich genau darauf, wie ich mich bewege. Hoffentlich bessert sich das schnell, momentan habe ich kaum Schmerzen, wenn ich nicht zu lange sitze.


Seit einigen Wochen liest der Liebste mir (okay, eigentlich dem Winterbaby) jeden Abend etwas vor und es ist so toll zu sehen, dass es auch auf seine Berührungen reagiert. Abends bewegt es sich ganz viel und ich bekomme auch öfter mal einen Tritt ab – es dreht sich gerne rundherum, glaube ich.
Auch mit den Veränderungen meines Körpers komme ich langsam geistig hinterhet und so habe ich einfach wieder ein bisschen mehr zu mir gefunden. Überhaupt fühle ich mich meistens ziemlich „in meiner Mitte“, nachdem ich mir am Anfang viele Gedanken, vor allem über Freundschaften und Beziehungen gemacht habe. Das ist aber wohl eher Stoff für einen eigenen Eintrag.

Hach, oft kann ich es kaum erwarten, zu erfahren, wer da zu uns kommt – dann wieder möchte ich am liebsten die Zeit anhalten, weil ich Angst habe, dass wir das alles nicht schaffen. Ich bin mir aber ganz sicher, dass sich alles einspielen wird, immerhin habe ich den allerbesten, fürsorglichsten und liebevollsten Partner, den ich mir wünschen kann.

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