Veränderungen III

28. November 2017

Langsam aber sicher neigt sich die Schwangerschaft mit dem Winterbaby dem Ende zu. Immer öfter frage ich mich, wer da wohl bald bei uns sein wird – was für ein Mensch ist das wohl? Nun, nach so vielen Wochen, kann ich sagen, dass sich bewahrheitet hat, was ich immer wieder gelesen aber doch nicht wirklich gedacht hätte: die bisherigen Veränderungen betrafen nicht nur den Liebsten und mich, meinen Körper, oder auch den Fuchsbau.
Auch Freundschaften haben sich verändert, ebenso Beziehungen zur weiteren Familie. Mit manchem hätte ich nie gerechnet – ich wurde sowohl positiv, als auch negativ überrascht.
Sicherlich liegt es an anderen Prioritäten, denn was bei mir sicherlich nicht so war ist, dass es kein anderes Thema mehr gegeben hätte. Ich war und bin ein Mensch, der gern erzählt – aber nicht, wenn kein Interesse zurückkommt. Ich habe immer wieder gern erzählt wie es ist, wie es mir geht, was so passiert. Kamen aber keine Nachfragen (und das war sowohl familiär, als auch in zum Teil langjährigen Freundschaften der Fall), hörte ich auf damit. Ich möchte gewiss niemanden langweilen und kann sehr gut verstehen, dass es andere, spannendere Themen gibt. Dann waren da meine lange, sehr schlimme Übelkeit und die Tatsache, dass ich einfach Prioritäten setzen musste. Ruhe und Entspannung waren wichtiger als Treffen oder Neuigkeitenaustausch.
Und als das endlich geschafft war, musste ich mich erst einmal neu sortieren und positionieren.

Familie

Die Verkündung meiner Schwangerschaft wurde glücklicherweise von allen Familienmitgliedern (Eltern, Geschwister, Tanten und Onkel, Großeltern, …) durchweg positiv aufgenommen. Dann jedoch geschah etwas interessantes: während manche Familienmitglieder plötzlich viel mehr Interesse an unserem Leben zeigten, sich gerne nach der Schwangerschaft erkundigten und Hilfe anboten, kam von anderen – gar nichts.
Das fanden wir an sich gar nicht schlimm, denn zum einen bin ich immer für Ehrlichkeit (und wenn kein Interesse da ist, kann ich das durchaus verstehen) und zum anderen war ich (bedingt durch die schlimme Übelkeit) die ersten Monate sowieso nicht in der Lage, mich groß darum zu kümmern.
Meine Mama war wohl diejenige, die am unaufdringlichsten und zugleich doch immer am präsentesten war. Sie fragte nach, interessierte sich, hörte zu – jedoch ohne mich oder den Liebsten auszufragen. Wir unterhielten uns einfach gut. Die Eltern des Liebsten waren sehr interessiert und – trotz weiter Anreise und meist wenig Zeit – mehrmals zu Besuch, riefen oft an und unterstützten uns auch finanziell, sodass wir uns den ein oder anderen Wunsch für das Winterbaby erfüllen konnten. Auch zu weiter entfernten Familienmitgliedern wurde der Kontakt wieder reger, viele schauten selbst noch einmal im Keller oder auf dem Dachboden nach Babysachen und so kamen wir zu dem ein oder anderen schönen Stück und mussten nur wenig neu (und selbst) kaufen.
Wie es da im Einzelnen weitergeht, wenn das Winterbaby da ist, darauf bin ich auf jeden Fall gespannt.

Freunde

Ich dachte immer, dass Freundschaften – die vielleicht doch keine, oder nicht so tiefe waren, wie gedacht – am ehesten zerberechen, wenn das Winterbaby da ist und plötzlich Themen für mich relevant und am allerwichtigsten werden, die sonst niemanden betreffen. In meinem engeren Freundeskreis bin ich die erste Schwangere, im etwas weiteren Freundeskreis die zweite. Ich stellte mich innerlich darauf ein wie es sein würde, wenn da ein Mensch wäre, der für mich so faszinierend und so wichtig sein würde, dass ich alles andere darüber vergessen oder als unwichtig abtun würde.
Womit ist nicht gerechnet hatte: Schon vorher „verabschiedeten“ sich Freunde von mir – manche mit Ausreden, manche mit dem Versprechen, sich bald wieder zu melden, manche wortlos. Das tut mir immer mal wieder weh, wenn ich darüber nachdenke. Diese Menschen waren nicht umsonst wichtig für mich und ich habe viel mit ihnen geteilt. Ich hätte mir gewünscht, sie an meiner Seite zu wissen und ihnen das erste Bild meines Kindes schicken zu dürfen. Betrachte ich es rational, so bin ich sehr froh darum, dass sich diese Personen früher verabschiedet haben und nicht erst, wenn ich womöglich ohnehin gerade total emotional im Wochenbett bin und sich liebe Freunde plötzlich nicht mehr bei mir melden.
Trotzdem kann ich es nicht verstehen – besonders nicht bei jenen, die mir noch ein lapidares „Bis bald“ oder „wir bleiben in Kontakt“ zuwarfen. Mich befremdet es hin und wieder, zu wissen, dass es da (ehemalige) Freunde gibt, die mir auf sozialen Kanälen folgen, ohne aber mit mir persönlich zu interagieren. So ein Verhalten finde ich ziemlich merkwürdig, erkläre es mir inzwischen aber einfach mit Neugier – was jedoch nicht mit Interesse an mir zu verwechseln ist!

Den negativen Entwicklungen möchte ich aber eigentlich gar nicht so viel Beachtung schenken (zumal das hier auch keine Abrechnung oder ähnliches sein soll) – viel wichtiger ist es mir festzuhalten, dass es Freundschaften gibt, die so sehr an Tiefe gewonnen haben, dass ich immer noch darüber staune.
Gerade eine Freundin, die mir zwar schon lange die liebste und nächste war, aber auch so ein ganz anderes Leben führt als ich, hat mich mit ihrem ehrlichen Interesse und ihrer großen Anteilnahme sehr be- und gerührt. Für eine Nacht ist sie vorbeigekommen, damit wir uns vor der Geburt des Winterbabys auf jeden Fall noch einmal sehen. Wir hatten zwei großartige Tage gemeinsam, haben so viel geredet, dass ich hinterher fast keine Stimme mehr hatte und sind uns dadurch noch näher als zuvor. Uns verbindet ganz viel, wir sind uns sehr ähnlich und bei manchem doch ganz verschieden. Bei uns stimmt die Chemie und ich habe da auch gar keine Angst, dass sich die Freundschaft auseinander entwickeln könnte, wenn das Baby erst einmal da ist. Wir werden unseren gemeinsamen Weg finden.
Dann ist da noch der beste Studienfreund des Liebsten und mir, der uns im Sommer besuchen kam und einfach immer da ist. Wir müssen nicht ständig Kontakt halten, denn sobald wir uns sehen, ist alles wie immer. Er ist einer der verständnisvollsten und nettesten Menschen, die ich kenne. Ich weiß genau, wenn der Liebste und ich ihn bräuchten, stünde er in ein paar Stunden auf der Matte. Nach gemeinsamen Seminaren, Umzügen, Hochs und Tiefs ist er verlässlich für uns beide da.
Außerdem gab es auch Freundschaften, die neu belebt wurden. Das durfte ich gerade erst erleben, als der Liebste und ich in Berlin waren und unsere Theaterfreunde besuchten. Wir hatten uns – glaube ich – drei Jahre nicht gesehen und mir war schon etwas mulmig, wie sie wohl auf einen Überraschungsbesuch reagieren würden. Tatsächlich hatten wir dann aber so viel Spaß und saßen noch stundenlang zusammen. Wir tauschten uns aus, redeten, erinnerten uns gemeinsam und schafften eine neue, wundervolle Erinnerung.

Wenn ich an all das Schöne denke, wird mir ganz warm ums Herz und ich freue mich auf die Zeit, die kommen wird. Da sind Familie und Freunde, die immer da waren. Manche sind etwas nähergerückt. Und ein paar neue Freundschaften entstehen gerade, ganz langsam. Mit Gleichgesinnten. Und das ist so schön!

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