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Briefe

Leben

Liebe Mama,

10. Mai 2015

zwar sage ich dir so oft es geht, wofür ich dir dankbar bin und so einen ‚besonderen‘ Tag brauchen wir eigentlich nicht – aber andererseits eignet er sich auch wunderbar dazu, dir wieder einmal zu schreiben.
Danke dafür, dass genau du meine Mama bist.
Danke für all meine Lieblingsgerichte, die du mir gekocht hast. Danke dafür, dass du bei meinen Umzügen mitgeholfen hast und in Berlin noch am Abend vor dem Einzug das Bad geschrubbt hast, damit ich nach dem anstrengenden Umzug baden konnte. Danke dafür, dass meine Freundinnen und ich immer in der Küche sitzen konnten, ohne dass du dich eingemischt hast. Danke, dass ich dein Auto und deinen Trockner nutzen darf, danke für all die Einladungen auf deinen Balkon, um mit dir gemeinsam Waffeln zu essen. Danke dafür, dass du meinen Liebsten so sehr liebhast und meinen Ex-Freunden nie das Gefühl gabst, dass du sie nicht mochtest. Danke für die gemeinsamen Urlaube, in denen wir so viel Zeit füreinander hatten. Danke für all die Gespräche mit Herbert und das Kaffeetrinken mit Wilma. Danke für deine Umarmungen, für’s Vorlesen und Gesundpflegen. Danke für deine Gutenachtlieder und die morgende in Gesellschaft. Danke dafür, dass du mich immer unterstützt, mir hilfst, mich aber auch einfach machen lässt. Danke, dass du mir vertraust.
Du hast mir beigebracht, dass es sich lohnt, für sich selbst zu kämpfen und für das, was einem wichtig ist. Du hast meinen Bruder und mich immer verteidigt und an uns geglaubt. Du hast uns nie heimlich kontrolliert. Du warst diejenige, die mir in meinen Jahren als Gothic die Haare schwarz färbtest und dann dabei warst, als ich mir einen Pixiecut schneiden ließ. Du hast mir immer den Freiraum gegeben, den ich brauchte. Du hast mir die Liebe zu Büchern gezeigt und dass man mehr als eine Sache mögen kann. Mit dir kann ich nächtelang diskutieren und mich am nächsten bei irgendwelchem Schund im Fernsehen kaputtlachen. Wir können gemeinsam dasitzen und schweigend lesen, oder ununterbrochen lesen. Du erzählst mir immer wieder alte Geschichten von meiner Oma oder dir und es wird nie langweilig. Du zeigst mir unsere Familiengeschichte. Du gehst deinen Weg und stehst dafür gerade, wenn es mal nicht rund läuft. Ich könnte dich immer anrufen – sofort wärst du da.
In vielen Dingen ähneln wir uns, in manchen sind wir ganz unterschiedlich. Vieles möchte ich von dir noch lernen und ganz viel bewundere ich an dir…
Dass du so ehrlich bist – aber nie verletzend. Dass du weißt, wann du schweigen kannst und wann du reden musst. Dass du Menschen so wunderbar einschätzen kannst und dir nichts vormachen lässt. Dass du Dinge nicht so nah an dich heranlässt, dass sie dich verletzen. Dass du mich immer liebhast, egal was ich auch tue. Dass du mich so annimmst wie ich bin – als eigenständigen Menschen und nicht Verlängerung von dir. Dass du mir Mut machst, meinen Weg zu gehen. Dass du mir sagen kannst, wenn du stolz bist auf mich; aber auch, wenn du weißt, dass ich etwas besser könnte. Dass du mich anfeuerst, mich motivierst und auch tröstest, wenn etwas mal nicht klappt. Dass du so realistisch bist und trotzdem ganz viel planen und träumen kannst. Dass du an dich glaubst, auch wenn irgendwelche Menschen dir etwas anderes einreden wollen. Dass du für deine Freunde und Familie alles tun würdest.
Ich hab‘ dich lieb, meine Mama!

Leben

Ein kleiner Rückblick.

4. Mai 2015

Huch, wo ist der April geblieben? Es gäbe so viel zu schreiben und zu
erzählen. Vom Brieffreundinnentreffen, von wichtigen Plänen, von der
Uni, der Arbeit, … Aber die Zeit dazu konnte ich mir bisher einfach nicht nehmen.
Ich hoffe da sehr auf den Mai, der durch die vielen Feiertage vielleicht etwas ruhiger wird.

Einen kleinen Rückblick wollte ich aber dennoch schreiben, denn im April habe ich endlich meine Brieffreundin getroffen und es war so schön!
Was hatte ich Angst. Davor, dass sie mich nicht mag, dass ich sie nicht mag, dass der Liebste sie und/oder ihren Freund nicht mag.
Doch all die Ängste waren ganz unbegründet, denn als wir uns auf einem Mittelaltermarkt zum ersten Mal trafen, fielen wir uns gleich um den Hals. Es fühlte sich einfach an, als sei sie eine Freundin, die ich lange nicht gesehen habe. Genau richtig.
Wir verbrachten einen wunderbaren Tag, redeten ganz viel und am Ende hatte ich einen Sonnenstich und sie und der Liebste Sonnenbrand. Das kann meine schöne Erinnerung jedoch nicht trüben.
Gleich in der Woche darauf sollten wir uns wiedersehen, bei einem Theatertreffen. Uns war die Zeit viel zu kurz und so freute ich mich, dass sie zusagte, als ich sie anschließend noch zu uns nach Hause einlud.
Und in der vergangenen Woche sahen wir uns ganze drei Mal! Unser Gesprächsstoff wird nicht weniger, ganz im Gegenteil. Und schreiben tun wir uns auch noch (meine Befürchtung war ja zwischenzeitlich, dass wir das Schreiben gar nicht mehr ‚brauchen‘, wenn wir uns öfter sehen). Letzte Woche Dienstag waren wir gemeinsam beim Chor, am Freitag gingen wir zusammen ins Kino und am Samstag… Hachja. Darüber mag ich noch nicht schreiben – das muss noch etwas warten.
Jedenfalls verbrachten wir dann spontan auch den Abend zusammen, es gab leckeres Essen und wir saßen lange zusammen.

Außerdem begann im April mein zweites Mastersemester und ich habe vier wirklich gute Kurse. Ich bin froh, dass das alles so geklappt hat, nur die beiden Hausarbeiten aus dem ersten Semester wollen endlich geschrieben werden, aber da komme ich noch nicht so richtig voran. Vielleicht muss ich mir mal wieder einen Schreib-Lese-Plan machen, um wirklich endlich etwas zu schaffen. Mit etwas Disziplin lässt sich das gut mit der Arbeit vereinbaren.
Da wird es auch immer besser und ich denke, dass ich mich wirklich dort eingelebt und mich daran gewöhnt habe. Es dauert ja immer ein wenig, aber inzwischen bekomme ich nicht mehr nach vier Stunden Kopfschmerzen oder bin einfach nur müde – zumindest nicht immer.

Leben

Ostern | 2015

7. April 2015

Ostern war in diesem Jahr wirklich schön, entspannt und gefüllt mit Freude, Freunden und Familie.
Meiner Brieffreundin schrieb ich vor einiger Zeit dazu:

Mit Ostern verbinde ich viele schöne Erinnerungen, fast mehr als mit Weihnachten. Bei uns wurde das immer sehr ritualisiert gefeiert: Am Gründonnerstag mit grüner Sauce, Kartoffeln und Ei. Dann ging es am Karfreitag zu meinen Großeltern, wo es Fisch, Kartoffelsalat und zum Nachtisch den allerersten Erdbeerkuchen des Jahres gab. Sonntags wurde dann meistens bei uns mit leckerem Essen gefeiert. Wenn meine Großeltern zum Mittagessen noch nicht da waren (was fast nie vorkam), kamen sie zu Kaffee und Kuchen. Meine Oma versteckte Osterkörbchen draußen für uns, die wir suchen durften. Und außerdem backte sie für jedes ihrer fünf Enkelkinder ein Osterlamm mit weißer oder dunkler Schokolade überzogen. Beim Liebsten und mir sieht das in diesem Jahr so aus, dass es Gründonnerstag grüne Sauce bei uns gibt, am Freitag macht meine Mama Fisch mit Kartoffelbrei und Salat und am Sonntag würden der Liebste und ich gern wieder in den ganz frühen Ostergottesdienst gehen.
Da waren wir auch im letzten Jahr und es war unglaublich schön. Vor der Kirche brannte ein Osterfeuer und alle bekamen eine Kerze, die sie mit an den Platz nehmen konnten. Die Kirche war nur von Kerzen erhellt und so konnte man während des Gottesdienstes sehen, wie der Himmel langsam heller wurde.
Kochen wird meine Mama und am Montag ist ja unser Osterbrunch. Samstag oder Sonntag geht es dann auch noch bestimmt auch noch raus, frische Luft schnappen, gemeinsam Zeit verbringen und entspannen.
Zudem haben wir von Freitag bis Montag ja Besuch aus Berlin und der freut sich auch schon auf Ostern mit und bei uns.

Unser Besuch kam ganz pünktlich am Freitag an und ich fand die gemeinsame Zeit wirklich schön. Wir konnten ganz viel unternehmen und das Wetter war viel besser als von uns erwartet.

Mein Nest war dieses Jahr ein schwarzes Metalltablett, welches ich unglaublich schön fand. Dazu gab es eine Schokoladenform, eine alte Postkarte, frisch gerahmt, Schuhe, die ich schon lange haben wollte, einen Kurzzeitmesser und außerdem (nicht mit auf dem Bild) ein paar Süßigkeiten, ein Kleid (vom Liebsten – es ist wunder-wunderschön) und ein Hörbuch.
Unser Brunch war ebenfalls ganz toll und ging bis in den späten Nachmittag hinein. Es gab ganz viel zu Essen (unter anderem Mini-Möhren-Guglhupfe, einen Buttermilch-Kardamom-Zopf und selbstgebackenes Weißbrot), die Küche bot genug Platz und unser Besuch brachte noch Kuchen vom Vortag mit.
Den Tisch deckte ich bereits am Abend zuvor mit ganz vielen Blumen und einem Stück Tapete als Tischläufer. Außerdem hatte ich in den letzten Wochen Eier gesammelt und weiß angesprüht; diese hingen nun an frisch geschnittenen Zweigen.

Am Abend spürte ich dann sehr stark, wie müde ich mit einem Mal war. Die letzten Tage waren auf jeden Fall sehr anstrengend und ich brauche gefühlt ganz viel Schlaf. Stattdessen steht heute noch Arbeit an – aber es sind bloß vier Stunden und ich kann endlich, endlich mit Elsa (meinem neuen Fahrrad) fahren, weil nun ein Korb angebracht ist, ich ein Schloss dafür besorgt habe und weil das Wetter so gut ist, dass ich auch heute Abend um 20.00 Uhr noch Fahrrad fahren kann.
Donnerstag und Freitag habe ich frei und noch nicht allzuviel geplant. Und am Samstag steht dann zum letzten Mal bis September ein Wochenend-Dienst an der Arbeit an.
Hach, und Montag geht die Uni wieder los. Ich freue mich sehr darauf, habe aber auch das Gefühl, die vorlesungsfreie Zeit gar nicht wirklich gut genutzt zu haben.
Aber noch ist sie nicht um und ein bisschen was gibt es auch noch zu tun.

Leben

Eltern II

25. März 2015

Dass ich eine wunderbare und unglaublich bereichernde Brieffreundschaft führe, mag an der ein oder anderen Stelle schon einmal angeklungen sein. Da mich momentan vieles beschäftigt, was ich auch dort aufschreibe, habe ich beschlossen, zukünftig hin und wieder daraus zu zitieren und dies mit dem Label Briefe zu kennzeichnen. Namen und Orte werden (falls sie auftauchen) von mir gestrichen. Vielleicht passe ich auch das ein oder andere Mal den Inhalt etwas an, was Satzbau oder ähnliches angeht.

Mein Vater an und ich telefonierten ziemlich lange. Er ist ein Mensch, der nicht die offene Konfrontation sucht, sondern stattdessen stets nur Andeutungen macht, womit er für mich unangreifbar ist. Damit kann ich gar nicht gut umgehen, aber gestern ist es mir irgendwie gelungen: Ich habe ihn (und auch mich) dazu gebracht, dass wir endlich mal alles ausgesprochen haben, was die letzten zwei, drei Jahre in uns schwelte. Erst einmal hagelte es gegenseitige Vorwürfe und dann wollte er das Gespräch beenden. Ich bin aber (fast zu meinem eigenen Erstaunen) drangeblieben und habe ihn gefragt, ob er denn überhaupt Interesse hat, etwas für unsere Beziehung zu tun oder nicht. Und damit habe ich ihn wohl gekriegt. Wir haben uns beide entschuldigt, unsere Verhaltensweisen erklärt und uns darauf geeinigt „es nochmal zu versuchen“. Gestern war ich sehr erleichtert darüber, aber heute sehe ich das Ganze etwas ’neutraler‘: Ich werde ihm definitiv noch eine Chance geben und versuchen, auch von mir aus Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Wenn das allerdings nicht gelingen sollte und er sich wieder so verhält wie die letzten Jahre, möchte ich nichts mehr in diese Beziehung investieren. Das muss nicht einmal bedeuten, dass ich den Kontakt aktiv abbreche; aber ich will aufhören darauf zu hoffen, dass er sich ändert. Wenn er sich meldet ist es gut, wenn nicht dann ist das eben so. Damit bin ich bisher ja auch (fast erstaunlich) gut klargekommen. Es war sogar fast eine Erleichterung und dass ich nun weiß, dass wir uns ausgesprochen haben und es ’noch einmal versuchen‘ wollen, ist ein bisschen belastend für mich. Am Ende kann ja nur die Zeit zeigen, ob es etwas nützt – ich wüsste das aber gern jetzt schon. Naja, am Montag fliegen er und seine Freundin für zwei Wochen in den Urlaub und am Samstag gehen wir alle zusammen (der Liebste und ich, mein Bruder samt Freundin, mein Vater, seine Freundin und deren Tochter) gemeinsam essen. Ich hoffe, dass es entspannt und irgendwie einfach okay wird.

Und nun? Ich weiß es nicht. Abwarten und sehen, was die Zeit bringt. Manchmal wünschte ich mir, wir wohnten weiter auseinander (so wie früher) – dann hätten wir zumindest eine offizielle Ausrede, uns nicht zu sehen.