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Denken

Im Wandel

7. Januar 2017

Eines vorab: Ich weiß, dass ich mich in einem wahren Luxus befinde. Ich befinde mich in einem Zustand, in dem ich so viel besitze, dass ich etwas davon wieder loswerden möchte. Das ist ein unglaubliches Privileg und es ist mir (fast) jeden Tag sehr bewusst.
Ich bin dankbar dafür, dass ich so frei über meinen Besitz entscheiden kann.

 

Angefangen hat es vielleicht mit meinem Jahresmotto. Ich dachte darüber nach, weil ich so ein Thema, das das Jahr begleitet, spannend finde – mir fiel nur bisher nie etwas ein, obwohl ich beispielsweise Ramonas Blog-Eintrag sehr inspirierend fand. Ich war der Überzeugung, das Wort müsse sich einfach ergeben, ohne, dass ich es aktiv festlege. Und dann, in den ersten Januartagen, kam mir ein Wort in den Sinn: Aufbrauchen.
Es hatte wohl damit zu tun, dass der Liebste und ich durch unseren Umzug in den Fuchsbau viel Geld ausgegeben haben und dadurch in diesem und dem nächsten Monat noch etwas kürzer treten müssen – also ist uns noch mehr als sonst daran gelegen, Lebensmittel zum Beispiel wirklich aufzubrauchen und erst neue zu kaufen, wenn nichts mehr da ist. Vorher hatten wir zwar auch stets einen Essensplan, unser Heißhunger brachte uns aber immer wieder dazu, nochmal nach der Arbeit einzukaufen und etwas anderes zu kochen. An sich ist das natürlich nicht verwerflich, doch es nervte mich, dass ich einfach nicht planen und auch nichts vorbereiten konnte – noch dazu kam es ein paar Mal vor, dass Lebensmittel verdarben und das ist etwas, das ich wirklich ganz und gar unnötig finde.
Durch unseren Umzug in den Fuchsbau haben der Liebste und ich zwar wirklich gut ausgemistet und aussortiert, dennoch sind (natürlich) einige Teile mit umgezogen, bei denen wir jetzt merken, dass wir sie gar nicht wirklich brauchen. Sie finden keinen Platz, liegen im Weg herum oder wanderten direkt hinauf auf den Speicher – brauchen wir diese Sachen also wirklich? Einige Menschen, denen ich zum Beispiel bei Instagram folge, haben sich vorgenommen, in diesem Jahr jeden Tag ein Teil auszusortieren. Das hört sich für die meisten nicht schwer an, dennoch ist man am Ende des Jahres um 365 Teile leichter, wenn man konsequent ist. Wir gingen also durch das Wohnzimmer, schauten uns um und ziemlich schnell kam doch einiges zusammen. Kleinteile, aber auch Bücher und DVDs, die wir direkt über Momox verkauft haben und die nun darauf warten, verschickt zu werden.
Minimalismus ist durchaus ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt, mit dem ich mich oft (und gerne) auseinandersetze. Warum aber kaufe ich immer wieder so viel Zeut, das ich nicht brauche, wenn ich das Gefühl, weniger zu besitzen, doch so gern mag?
Das ist eine Frage, die immer mal wieder kurz aufleuchtete, mit der ich mich aber nicht tiefgehender auseinandersetzte – vielleicht weil ich spürte, dass das ein sehr weites Feld ist.

Konsum

Dann stolperte ich gestern Abend über Franzis Artikel „Konsum als Trost und der Weg hinaus„, der genau zur richtigen Zeit aufploppte.
Sie schreibt darin viel über sich und ihre Einstellung zu diesem Thema. Besonders ihr Ausflug in die Vergangenheit hat mich berührt und zum Nachdenken gebracht. Wie war das eigentlich bei mir, wie wurde ich geprägt, wie ging man in meiner Familie mit dem Thema Konsum um?
Mein Vater beispielsweise ist sehr auf Marken fixiert und hat Liebe oft mit Geschenken gleichgesetzt. Als Kind fand ich das natürlich nicht schlimm (wer bekommt nicht gern schöne Dinge geschenkt?) und dieser Markentick hat auch nicht auf mich abgefärbt, wohl aber der Umgang mit Geld. Wenn er welches hatte (und hat), wird das ausgegeben und am Liebsten kauft er sich selbst schöne Dinge. Ich vermute, dass er sich damit belohnt, denn er arbeitet wirklich sehr viel und hart. Zeit ist rar, damit kann er sich nicht wirklich belohnen, also wird es eben ein paar Schuhe für das überstandene Meeting, ein neuer Pullover am Ende einer anstrengenden Woche. Ich kenne diese Gedanken nur zu gut und bin gerad erst in einer Phase, wo ich diese Automatismen anfange, bewusst wahrzunehmen. Ich möchte sie ändern, muss aber erst einmal schauen, woher sie überhaupt kommen, wann sie entstehen und welche Alternativen es für mich gibt.
Außerdem realisiere ich langsam, dass ich gerade meinem Leben als Studentin entwachse und tatsächlich einer Arbeit nachgehe bei der es mir möglich ist, auch mal Geld zurückzulegen und etwas zu sparen. Ich habe so lange von wenig Geld gelebt, dass ich es nicht gewöhnt bin, plötzlich (für mich) so viel zu haben. Ich neige dazu, besonders dem Liebsten und mir selbst viele Wünsche zu erfüllen, weiß aber gleichzeitig auch, dass ein finanzieller Puffer wirklich wichtig oder auch einfach eine Freude sein kann; dann nämlich, wenn es um mein Fernweh und den Wunsch nach einem Urlaub in der Ferne geht.

Capsule Wardrobe

Gleich im ersten Satz von Franzis Eintrag verweist diese auf den Blog Mehr als Grünzeug von Jenni, die darauf  über nachhaltiges und veganes Leben schreibt. Jenni hat aber nicht nur ganz fabelhafte Rezepte, die ich am liebsten alle sofort ausprobieren würde, sie setzt sich auch immer wieder kritisch mit Konsum und minimalistischem Leben auseinander. So hat sie einen wunderbaren Eintrag zu ihrer „Capsule Wardrobe“ verfasst – und an dieser Stelle zitiere ich sie mal, um kurz zu erklären, was eine Capsule Wardrobe eigentlich ist:

Hinter dem Begriff Capsule Wardrobe verbirgt sich ein Konzept, das sich – grob vereinfacht gesagt – darum dreht, einen möglichst minimalistisch-funktionalen Kleiderschrank, der perfekt auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist, zu erschaffen.

Ich selbst habe ja schon mehrmals temporär meinen Kleiderschrankinhalt reduziert (zuletzt zur Fastenzeit mit meiner „Klamottenkur„) und jedes Mal wieder gemerkt, wie gut mir das getan hat. Ich fühlte mich wirklich und ehrlich befreit – so ging es mir übrigens auch, während ich mit dem Liebsten für unseren Umzug in den Fuchsbau ausmistete. Morgens hatte ich keine Probleme mehr, mich für ein Outfit zu entscheiden, weil so ziemlich alles irgendwie zusammenpasste. Ich fühlte mich immer gut angezogen und hatte wirklich nur noch Teile im Schrank, die ich liebe und in denen ich mich vor allem wohlfühle. Dennoch waren diese Aktionen für mich irgendwie immer zeitlich begrenzt und hinterher mistete ich zwar nochmal gründlich aus, doch der Schrank füllte sich wieder – sei es mit „Zieh-ich-bestimmt-irgendwann-nochmal-an“-Teilen oder mit neuen Stücken.
Nach dem Umzug in den Fuchsbau fehlt momentan noch eine Gardine vor unserer Kleideraufbewahrung ( das Wort „Schrank“ passt nicht so wirklich; es ist eben eine lange Nische, in der Regalböden und zwei Kleiderstangen befestigt sind), sodass ich jeden Morgen beim Aufwachen all die Kleidungsstücke sah. Ich würde nicht behaupten, dass ich überdurchschnittlich viel Kleidung besitze, aber es kam mir trotzdem zu viel vor. Immer noch zu viele Stücke in minderer Qualität, die ich nicht anzog oder die an mir einfach nicht gut aussehen. Sicherlich half mir bei der letzten Entzcheidung für eine eigene Capsule Wardrobe dann auch, dass ich mich in den letzten Wochen vermehrt damit auseinandergesetzt habe, was ich für eine Figur habe und welche Farben eigentlich zu mir passen. Ich hatte einfach keine Lust mehr darauf, (für mich) komisch geschnittene Kleider und auftragende Röcke anzuziehen. Ich möchte mich gut fühlen und wissen, dass das, was ich trage, meinen Typ unterstreicht.
Über Jenni führte mein Weg weiter zu Tanja, die wiederum auf ihrem Blog Blattgrün ebenfalls über nachhaltiges und grünes Leben schreibt. Bei ihr gibt es einen Artikel zu Minimalismus im Kleiderschrank und auch ein erstes Resümee nach einem Jahr Capsule Wardrobe. Meine Lust, mir so eine Garderobe wieder und dieses Mal auf Dauer zuzulegen, wuchs mit jedem Satz, den ich las, also drehte ich im Schlafzimmer die Heizung auf (bei uns ist immer ein Fenster gekippt, das wäre mir dann doch zu kalt gewesen…) und während ich wartete, schaute ich noch bei Cosima vorbei, die auch eine minimalistische Garderobe ihr eigen nennt und sehr schön beschreibt, wie man die für einen selbst genau richtigen Teile zusammenstellt. Viele Tipps kannte ich schon, fühlte mich dadurch jedoch noch mehr angespornt. Dann machte ich ein Hörbuch an und widmete mich meinem Kleiderschrank und meiner Kommode.
Ich sortierte sehr zügig das aus, was nicht dazugehören sollte – und eigentlich spricht das doch schon für sich, oder? Ich wusste sofort, welche Teile ich nicht in meiner Capsule Wardrobe haben möchte, welche es „mir nicht wert sind“. Dieses Mal legte ich keine Zahl von vornherein fest, sondern zählte am Schluss durch. So komme ich nun auf 40 Teile, über die ich mich wirklich und ehrlich freue. Der Rest wanderte in eine Kiste auf den Dachboden und nun schaue ich einfach, ob mir vielleicht doch etwas davon fehlt. Sollte ich in einem halben Jahr nichts daraus angerührt haben, können die Teile wohl weg. Da vermeide ich es inzwischen auch, nochmal nachzuschauen, was eigentlich drin ist – sonst kommt gleich wieder ein „könnte ich noch gebrauchen“ und es fällt mir schwer(er), mich davon zu trennen.

Neues anhäufen

Ausmisten kann ich inzwischen wirklich gut. Ich weiß zuverlässig, was ich behalten möchte und was weg kann und versuche, meine Erinnerungen nicht mehr an zu viele Dinge zu hängen. Natürlich habe auch ich Sachen, die ich absolut nicht hergeben kann; diese schlummern in meiner Erinnerungskiste und ich kann sie jederzeit anschauen und in die Hand nehmen. Außer Babykleidung (meine ersten Schuhe, mein erster Strampler – sowas eben) sind aber interessanterweise keine Klamotten dabei.
Was mir hingegen immer wieder schwer fällt ist, nicht sofort wieder anzuhäufen. Es geht mir wie Franzi: Ich nutze Konsum unter anderem als Trost. Wenn die Woche anstrengend war, ich nicht gut drauf bin und etwas aufmunterndes brauche, möchte ich in die Stadt gehen und konsumieren. Ich belohne mich, wie eingangs beschrieben, immer wieder mit dem Konsum von Dingen – sei es ein schönes Buch, eine Zeitschrift (die ich dann aus Zeitmangel doch nicht lese) oder auch Essen. Besonders mit letzterem setze ich mich gerade ganz intensiv auseinander und da wird vieles angestoßen. Ich finde es traurig, dass ich mir nicht anders Gutes tun kann und suche inzwischen gezielt nach Alternativen, das ist aber wohl mal einen eigenen Eintrag wert.
Was meine Capsule Wardrobe angeht so gibt es ein paar Teile, nach denen ich schon lange suche und die ich mir Stück für Stück noch gönnen möchte, wenn sie mir (passend für mich) über den Weg laufen. So habe ich sieben Jahre lang nach „dem“ schwarzen Rock für mich gesucht… Nicht zu lang sollte er sein, gut sitzen, bequem sein, aus festem Stoff und weit schwingend. Immer wieder kaufte ich schwarze Röcke, die es aber eben einfach nicht waren und nach kurzer Zeit ungetragen im Schrank hingen. Doch im Dezember letzten Jahres fand ich endlich meinen Rock und bin seitdem so glücklich, ihn zu haben. Mehrmals in der Woche trage ich ihn, denn er passt einfach zu allem. Von solchen Teilen möchte ich noch ein paar, also habe ich mir eine Liste gemacht. Ich hoffe, dass mich das besser vor Spontankäufen bewahrt – dass ich jetzt weiß, was ich wirklich will. Ich werde diese Liste in mein Portemonnaie stecken und wenn mir etwas passendes über den Weg läuft, überlegen, ob es meinen Kleiderschrank bereichern darf. So komme ich irgendwann dann alles in allem auf 50 Teile in meinem minimalistischeren Kleiderschrank.
Viele Besitzer einer Capsule Wardrobe machen es so, dass sie eine gewisse Anzahl Teile pro Saison bestimmen, so wird das bei mir auch sein. Ich tausche aber nicht alle drei Monate aus, sondern alle sechs. So trage ich im Frühjahr und Sommer natürlich keine Merino-Cardigans mehr, sondern entsprechende Modelle aus Baumwolle, mit kürzeren Ärmeln. Auch die Farben verändern sich ein bisschen. Wie viele Teile es dann für das ganze Jahr sind, habe ich noch nicht genau nachgezählt, ich schätze aber, dass es nicht mehr als 70 sind (wenn ich mir die Schublade mit den Sommersachen so anschaue).

Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und ob sich die Capsule Wardrobe bei mir auch auf Dauer bewähren und mich vor unnötigen Spontankäufen bewahren wird.
Dieser Artikel ist jetzt viel länger als erwartet geworden und ich hätte wohl noch viel mehr aufschreiben können… Franzi, Jenni, Tanja und Cosima haben bei mir wirklich einiges ausgelöst, wofür ich wirklich dankbar bin. An dieser Stelle möchte ich gern auch nochmal auf Romys Blog „Zu den Wurzeln“ verweisen, deren Beiträge mich stets inspirieren und motivieren.

Leben

Keine Angst

27. Juli 2016

Ramona hat auf ihrem Blog heute einen Eintrag geteilt, der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat.
Sie fragt (unter anderem):

Was würde ich tun, wenn ich wüsste, ich könnte nicht scheitern.

Das ist eine Frage, die mich momentan auch in gewisser Weise beschäftigt – und das (unterbewusst) schon seit Monaten.
Ich weiß inzwischen, was ich mir momentan mehr als alles andere wünsche. Doch ist es nicht allein Angst, die mich davon abhält. Es sind auch andere Entscheidungen und Umstände, die ich mit einbeziehen muss.
Viele davon lässt sich jetzt noch nicht entscheiden. Ich kann die Weichen noch nicht stellen. An vielen TZagen reibt mich das auf, weil ich – besonders in diesem Punkt – nicht gut geduldig sein kann. Ich weiß, dass es nicht anders geht, weil ich jetzt weder entscheiden kann, noch darf. Trotzdem kann ich nicht aufhören, darüber nachzudenken.
Wenn alles klappt (ich klopfe ganz fest auf Holz), dann erfüllen sich nacheinander zwei meiner Wünsche. Sie gehören fast ein bisschen zusammen, bauen aufeinander auf. Und wenn diese beiden Wünsche Wirklichkeit geworden sind, dann kann ich (wieder) das tun, was ich wirklich möchte.
Dann muss ich nicht mehr so viel Angst haben, darf einfach machen und mich ausprobieren.
Natürlich habe ich schreckliche Angst, dass es doch nicht klappt. Dass ich meinen Traum nicht (nie?) verwirklichen kann.
Ich weiß aber, dass ich es versuchen muss. Für diese Einsicht habe ich lange gebraucht, viele Monate – fast zwei Jahre. Aber mehr und mehr hat sich alles gefestigt, sortiert, und plötzlich lag mein Weg so klar vor mir. Der Nebel lichtete sich – warum hatte ich das vorher nur nicht gesehen?
Ich weiß, dass der Liebste mich bei allem unterstützt. Auch er möchte, dass ich mir meinen Wunsch erfüllen kann und es tut so gut, ihn an meiner Seite zu wissen.
Nun hoffe ich nur noch, dass alles klappt. So, wie ich es mir sehnlichst wünsche.

Si jamais j’oublie les jambes à mon cou,
si un jour je fuis,
rappelle-moi qui je suis,
ce que je m’étais promis.

Erinnerungen

Erinnerungen, Teil 4

25. Juli 2016

(Fast immer) Einmal in der Woche teile ich, immer zu einer bestimmten Frage, eine oder auch mal mehrere Erinnerungen, die dann auch in der gleichnamigen Kategorie zu finden sind. In der letzten Woche wurde die Reihe unterbrochen, weil ich es nicht geschafft habe – und auch nicht wirklich Muße dazu hatte. Heute geht es aber wie gehabt weiter.
Wer mitmachen möchte, ist herzlich dazu eingeladen.

Zähle fünf Lieblingsgerichte deiner Kindheit auf. Waren es Pizza, Königsberger Klopse, Pfannkuchen? Wer hat sie für dich gekocht?

Hach, Essen… Ich esse ja sehr gern, allerdings mochte ich viele Dinge als Kind nicht. Einige mag ich immer noch nicht (Eier, Speck, Käse), an andere traue ich mich mittlerweile heran.
Wenn ich an Lieblingsgerichte aus meiner Kindheit denke, kommen mir vor allem folgende Essen in den Sinn:

  1. Rouladen mit Salzkartoffeln und Möhren – so ein richtiges Sonntagsgericht, das meine Mama ab und zu (meist im Herbst dun Winter) kochte. Rouladen selbst mochte ich als Kind gar nicht, ich aß stattdessen einfach nur die braune Sauce mit Kartoffeln (schön zerknetscht, mhhh) und Möhren dazu. Die kräftige, dunkelbraune Sauce und dazu die süßlichen Möhren, hachja, schon beim Gedanken daran läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Gleich gilt übrigens für Gulasch, der nach fast demselben Rezept zubereitet wurde.
  2. Sauerteigbrot mit Salami – das war lange Zeit mein bevorzugtes Schulbrot und noch heute muss ich nur ein Salamibrot riechen, schon sitze ich wieder im Klassenzimmer neben meiner besten Freundin und packe meine beerenfarbene Brotdose aus. Bei uns wurde immer eine Viertelstunde vor der Pause gemeinsam in der Klasse gefrühstückt, so hatten wir während der Pause richtig Zeit zu spielen. In den ersten zwei Jahren gab es sogar noch die sogenannte „Schulmilch“, die ich zwar nicht regelmäßig bekam, manchmal aber doch. Kein Wunder, dass ich auch heute noch manchmal ein Salamibrot esse und mir dazu einen Kakao mache. Dann habe ich meinen Sitzplatz vor Augen, stelle mir vor, wie ich mein Tischset hervorhole und schon ungeduldig auf die Pause warte…
  3. Toastbrot mit Schmand und Zucker – das ist ein Essen, welches ich vor allem mit meiner Mama verbinde. Irgendwie kenne ich niemanden sonst, der das gerne ist. Bei uns gab es von Zeit zu Zeit nachmittags Schmandbrot; also ein Toastbrot mit Schmand bestrichen und dünn mit Zucker bestreut. Am Besten schmeckte es, wenn man es noch eine Weile stehen ließ und der Zucker sich langsam auflöste – meist konnte ich jedoch nicht so lange warten. Heute habe ich selten Schmand zu Hause, wenn es aber doch mal so ist, gibt es meist auch ein Schmandbrot für mich.
  4. Erdbeerkuchen mit Vanillepudding – den ersten dieser Sorte gab es jedes Jahr an Karfreitag, nach Fisch und Kartoffelsalat (für mich Fischstäbchen und Salzkartoffeln), bei meiner Oma auf der Terasse. Besonders gut war er, weil meine Oma extra wenig Gelatine benutzte (moch ich nämlich gar nicht), dafür aber unten auf dem Kuchen Vanillepudding verstrich. Später durfte ich ihr vormittags jelfen und die Erdbeeren verteilen. Meistens machte sie gleich zwei Kuchen, da die ganze Familie großzügig zulangte.
  5. Apfelkuchen mit Streuseln –  auch diesen Kuchen gab es, wenn wir bei meiner Oma waren. Egal ob an Geburtstagen, Ostern oder einfach so: Dieser Kuchen durfte nicht fehlen. Der Boden war unglaublich lecker und nicht zu süß, darauf die Äpfel aus dem eigenen Schrebergarten, getoppt mit knusprig-buttrigen Streuseln. Mhhh! Glücklicherweise habe ich das Rezept noch und weiß natürlich auch noch, dass dieser Kuchen am nächsten Tag am Besten schmeckt.
Erinnerungen

Erinnerungen, Teil 3

11. Juli 2016

Einmal in der Woche teile ich, immer zu einer bestimmten Frage, eine oder auch mal mehrere Erinnerungen, die dann auch in der gleichnamigen Kategorie zu finden sind.
Wer mitmachen möchte, ist herzlich dazu eingeladen.

Erinnerst du dich an Fotos, die es mal gab, die du aber gerade nicht findest? Welche waren es?

Ohja, es gibt bestimmt ein paar Bilder, an die ich mich erinnere. Eines ist mir da ganz besonders im Gedächtnis. Ich selbst habe keine Erinnerung, aber ich bin wohl als Kind mal auf einem Elefanten geritten – ich vermute, das war im Zirkus.
Ich selbst kenne nur ein Bild, dass zu diesem Zeitpunkt gemacht wurde, ein Polaroid-Bild. Es zeigt mich (auf dem Elefanten) in einem blassgelben Rollkragenpullover mit passendem Rock. Dazu trage ich Stiefel und eine Wollstrumpfhose.
Was ich an dieser Erinnerung so spannend finde, ist die Tatsache, dass ich, als ich das Bild zum ersten Mal bewusst sah, gleich wieder fühlte, wie kratzig der Pullover war. Auch erinnerte ich mich daran, ihn in der Umkleide anprobiert zu haben. Er war etwas zu eng, aber ich fand Kleid und Rock so schön, dass ich es unbedingt haben wollte – und auch bekam.
Ein weiteres Bild, das ich sehr liebe und zwischendurch lange nicht finden konnte, ist eins, das von mir im Kindergarten aufgenommen wurde. Ich besitze schon meine tolle, rosablaue Brille (jede Seite in einer Farbe), habe einen kurzen Bob und trage ein Kleid, das meine Mama für mich nähte. Es ist rot und über und über mit Streublümchen bedruckt, außerdem hat es einen weißen Spitzenkragen.
Ich liebe das Bild, weil es gerade im richtigen Moment aufgenommen wurde: Wir sitzen alle beim Frühstück, ich habe mich halb herumgedreht und gerade die Kamera entdeckt.
Wahrscheinlich gibt es noch ganz viele andere Bilder, die mir momentan nicht einfallen – ich versuche aber, mich immer mal wieder an Bilder, Szenen, Geräusche oder Gerüche zu erinnern. Dann sind manche Situationen wieder so nah…

Erinnerungen

Erinnerungen, Teil 2

4. Juli 2016

Einmal in der Woche teile ich, immer zu einer bestimmten Frage, eine oder auch mal mehrere Erinnerungen, die dann auch in der gleichnamigen Kategorie zu finden sind.
Wer mitmachen möchte, ist herzlich dazu eingeladen.
Da ich heute passenderweise Geburtstag habe, beantworte ich die aktuelle Frage nur zu gern!

Denk an deinen Geburtstag, und zwar an einen, den du besonders schön fandest. Was bekamst du geschenkt? Wer war da? Wie sah der Geburtstagstisch aus? Und wie dein Kuchen?

Hmm, also eigentlich gab es bisher wirklich keinen Geburtstag, den ich nicht im Nachhinein unglaublich schön gefunden hätte.
Da war zum Beispiel mein 6. Geburtstag, den ich mit meiner Familie in Schweden verbrachte – meine Mama schleppte tatsächlich ein komplettes Playmobil-Haus mit und baute es zum Geburtstagsmorgen auf. Ich war sooo glücklich! Dann jedoch wollten mein Cousin und ich es woanders hinstellen, griffen also jeder an einer Seite zu – und das Haus fiel, da es ja ein Stecksystem ist, auseinander. Trotzdem war ich richtig glücklich und habe wohl den ganzen restlichen Urlaub damit gespielt.
Dann gab es den Geburtstag, den wir im Schrebergarten meiner Großeltern verbrachten und wo wir eigentlich den ganzen Tag im Planschbecken waren. Oder jenen, an dem mein Patenonkel mir meinen ersten Kinobesuch schenkte. Gemeinsam mit ihm und meinem Cousin schauten wir „Das Dschungelbuch“, und abends grillte dann die ganze Familie gemeinsam.
Oder meinen 18. Geburtstag, an dem ich von meinem damaligen Freund und meinen vier besten Freundinnen an einen See in der Nähe ‚entführt‘ wurde. Wir badeten, grillten und machten ein tolles Lagerfeuer.
Hach, Geburtstaghaben ist toll und ich kann es auch heute noch kaum erwarten, endlich aufzuwachen und in die Küche zu laufen. Kerzen, Blumen, Kuchen und ein paar liebevoll ausgesuchte Geschenke von denen, die ich liebe – gibt es was schöneres?
Okay, ja – zumindest für mich. Weihnachten finde ich noch schöner, weil ich da nicht im Mittelpunkt stehe, sondern anderen etwas schenken kann. Ich glaube, ich halte es da eher wie Pippi Langstrumpf:

„Liebe Kinder, ihr sollt ja auch eure Geburtstagsgeschenke haben“, sagte sie.
„Ja, aber – wir haben doch gar nicht Geburtstag“, sagten Thommy und Annika.
Pippi sah sie erstaunt an.
„Nein, aber ich hab Geburtstag, und da kann ich euch ja wohl auch etwas schenken!“

Gut, wenn ich mir aber einen Geburtstag aussuchen sollte, dann wäre es wohl mein 9. Geburtstag, der letzte, den ich in der Grundschule feierte. Fast die ganze Klasse war eingeladen! Es gab meine beiden liebsten Kuchen: Erdbeerkuchen (auf Biskuit) und Käsekuchen. Außerdem auch noch einen Gugelhupf mit Schokostreuseln und dazu Orangensprudel. Im Wohnzimmer stand unser großer Esstisch, komplett ausgezogen und festlich gedeckt. Ich saß vor Kopf und hinter mir war unser Sideboard, auf dem meine Geschenke aufgebaut waren.
Meine Mama hatte eine wunderschöne Überraschungskiste für mich gemacht. Ich weiß gar nicht mehr so wirklich, was darin war, aber die Kiste selbst werde ich nie vergessen. Sie war aus Holz und in einem wunderschönen graublau bemalt. Oben auf dem Deckel waren drei Figuren befestigt. Außerdem bekam ich auch noch eine kleinere, dreieckige Kiste, die oben durchsichtig war. In ihr bewahrte ich später den ein oder anderen kleinen Schatz auf und ich besitze sie heute noch.
Von meinen Gästen bekam ich viele tolle Geschenke, unter anderem die CD’s zu den Musicals von „Die Schöne und das Biest“ und „Das Phantom der Oper“. Monatelang hörte ich diese Lieder rauf und runter, bis ich sie irgendwann auswendig konnte. Außerdem hatte ich zu dieser Zeit ein Faible für Polly Pocket und bekam passend dazu das „Powhatan Home“ aus der Pocahontas-Collection geschenkt. Definitiv auch eins meiner liebsten Geschenke.
Nachdem wir in unserer Wohnung Kuchen gegessen hatten, verbrachten wir einige Zeit in meinem Zimmer und spielten dann verstecken. Irgendwann ging es dann nach unten, denn unsere Vermieter hatten einen ziemlich großen Keller und einen leeren Raum, den ich in einen „Partykeller“ hatte verwandeln dürfen. Auf dem Boden lagen Matratzen und Decken, mein CD-Player stand da und wir konnten Musik hören, tanzen und uns unterhalten. Außerdem spielten wir „Mord im Dunkeln“ und „Teekesselchen“, worin ich aber leider gar nicht gut war (das weiß ich noch heute!). Zu Essen gab es abends Gemüsesticks, Brot, Dips, Salat und ich glaube, auch Bratwürstchen.
Ich hatte definitiv einen richtig tollen Tag und trug noch dazu ein Kleid, das ich sooo schön fand! Es ging mir fast bis zu den Knöcheln, war oben dunkelblau (aus so einem festen Rippstoff) und hatte einen langen, weiten Rock, der weiß/blau kariert war. Außerdem war es komplett durchgeknöpft, mit Holzknöpfen.

Natürlich bin ich schon gespannt, wie mein heutiger Geburtstag wohl wird und was mir davon in Erinnerung bleibt, wenn ich (noch) älter geworden bin.

Leben

Halbzeit

30. Juni 2016

Unglaublich – die ersten sechs Monate dieses Jahres sind tatsächlich schon vorbei.
Zeit also, kurz innezuhalten um zurückzuschauen und nachzufühlen: Was ist in der ersten Hälfte des Jahres passiert? Was hatte ich mir vorgenommen?
Meine kompletten Vorsätze für das Jahr findet ihr an dieser Stelle.

Tatsächlich war ich in diesem Jahr bisher sehr viel draußen und habe dabei auch gleich etwas für mich getan: Ich habe begonnen, laufen zu gehen. Das ist ein guter Ausgleich und macht mir manchmal sogar Spaß, auch wenn ich gestehen muss, dass ich ohne den Liebsten wohl nicht so drangeblieben wäre. Daher macht sich auch bemerkbar, dass er in den letzten zwei Wochen nicht laufen durfte. Zwischendurch kam mir dann noch ein extrem schlimmer Heuschnupfen (teilweise mit Atemnot) in die Quere und so werde ich wohl am Wochenende endlich wieder durchstarten.

Eine wirklich Reise steht bisher nicht an, auch wenn mein Fernweh mich arg beschäftigt. Dafür gibt es aber einfach so viel anderes zu tun und eine wunderbare Zeit mit Freunden und meinem Liebsten habe ich bisher allemal verbracht.
Überhaupt, mein Mann und ich – das ist schon etwas ganz, ganz tolles. Etwas über ein Jahr sind wir verheiratet und bald fünfeinhalb Jahre teilen wir unsere Leben miteinander. Trotzdem wird es nie langweilig und uns ist bisher auch noch nicht der Gesprächsstoff ausgegangen. Wir können albern und ausgelassen sein, ebenso sind wir oft ernst und führen lange, tolle Gespräche. Wir mögen unsere Familien gegenseitig, unsere Freunde sowieso. Das Band, das uns verbindet, hat sich auch in diesem halben Jahr weiter gefestigt, ohne uns die Luft abzuschnüren. Wir haben Freiraum, gemeinsame Zeit und ich hoffe, dass wir nie aufhören, in Kontakt zu bleiben.

Schaue ich in meinen Kalender, so wirkt das bisherige halbe Jahr vor allem ziemlich vollgepackt. So viele Pläne wurden umgesetzt, Listen habe ich geschrieben und auch viel erlebt.
Ich war im Kino, im Theater, unterwegs in der Stadt und der umliegenden Gegend. Ich habe Erfurt kennengelernt und auch Berlin mal wieder einen Besuch abgestattet. Mein Kleiderschrank wurde entrümpelt und ich habe mir lange Zeit nichts neues zugelegt – das hat sich jetzt nochmal geändert, als ich ein paar Teile für meine Sommergarderobe entdeckt und reduziert dann auch erstanden habe.
Ich habe neue Rezepte ausprobiert, ein Instrument zu spielen begonnen (mein erstes seit dem Blockflöten-Unterricht in der Grundschule!) und bin inzwischen stolze Patentante eines wunderbaren Kindes. Ich war auf einer Hochzeit, habe ein tolles Osterfest verbracht und dem Liebsten einen schönstmöglichen Geburtstag bereitet.
Oft musste ich mich in Geduld üben (und muss es noch) und manchmal kann ich die Veränderungen, die vielleicht noch bevorstehen, kaum erwarten. Ich habe viele, viele Nachrichten an meine liebste Brieffreundin geschrieben und an anderen Stellen lernen müssen, dass man Menschen manchmal einfach gehen lassen muss – wenn sie einem nicht mehr guttun und auch kein Interesse an einer weiteren Freundschaft zeigen.
Ich bin viel und gern Auto gefahren, habe Hunderte von Fotos gemacht und zwei Alben gebastelt.
Ich hatte endlich wieder Zeit und Muße, mehr zu lesen.

Bisher war das definitiv – und trotz aller Höhen und Tiefen und all der Zeit des Wartens – ein gutes halbes Jahr und ich glaube fest daran, dass es weiter so geht.
Um ehrlich zu sein, kann ich es kaum erwarten.

Erinnerungen

Erinnerungen, Teil 1

27. Juni 2016

Vor einigen Monaten erstand ich ein Flow-Magazin, dem ein kleines Heftchen beilag.
In diesem Heftchen, einem Erinnerungsbüchlein, standen einige Fragen. Da mir diese sehr gut gefielen, legte ich das Heftchen direkt beiseite, um diese Fragen irgendwann einmal in Ruhe zu beantworten.
Ich bin jemand, der sich wirklich sehr gern erinnert. Egal ob Geschmäcker, Düfte, Ereignisse oder Menschen – ich liebe es, noch einmal in meiner Erinnerung zu erleben und zu schauen, an was ich mich alles noch erinnern kann.
Dann verging jedoch einige Zeit und ich vergaß das Büchlein erst einmal-
Bis ich bei der Schattenmalerin auf einen schönen Eintrag stieß. Sie hatte es sich zur Aufgabe auf ihrem Blog gemacht, 1000 Fragen, die in einem ähnlichen Heftchen standen, zu beantworten. So an das Erinnerungsbüchlein erinnert, holte ich es hervor und besah mir die Fragen noch einmal.
Sogleich strömten Erinnerungen ein und ich beschloss, ebenfalls eine Blogreihe zu beginnen – eine mit Erinnerungen.
Als Beitragsbild wählte ich ein altes Bild meiner Mama aus Kindertagen, das ich wirklich sehr liebe. Außerdem habe ich auch gleich mal eine neue Kategoerie angelegt, um die Blogreihe direkt aufrufen zu können.
So starte ich heute also mit der ersten Frage und möchte versuchen, in den kommenden Wochen möglichst montags meine Erinnerungen mit euch zu teilen.
Sollte irgendwann eine_r von euch Lust haben, mitzumachen, lasst es mich gern wissen, damit ich auf eure Blogs verweisen kann.
Nun aber auf zur ersten Frage!

Ob Kiosk, Bonbonladen oder Bäckerei. In welchem Geschäft deiner Kindheit warst du besonders gern? Wie sah die Auslage aus?

Bei dieser Frage muss ich direkt an ein Geschäft denken, an dem ich auf meinem Schulweg jeden Morgen vorbeikam: Die Bäckerei. Es gab dort nicht nur Brot, Brötchen und Backwerk, sondern auch Süßigkeiten.
Ab und zu gingen meine Schulfreundinnen und ich vor der Schule hinein und stellten uns, ausgerüstet mit ein paar Groschen, eine Schnucketüte zusammen.
In der Schule wurde dann probiert, getauscht und gefeilscht. Besonders gern mochte ich die Lippenstifte aus Zucker oder auch Schlümpfe, die sich besonders hartnäckig in den Backenzähnen festsetzten.
Was ich hingegen niemals von selbst ausgesucht hätte, waren Ufos – außen aus Esspapier, innen mit saurem Brausepulver gefüllt – denn die wurden mir zu schnell matschig.
An die eigentliche Auslage der Bäckerei kann ich mich kaum erinnern, denn mein Weg führte immer schnurstracks vom Eingang auf die rechte Seite des Ladens, wo all die Süßigkeiten aufgereiht waren. Manche gab es nur selten, andere wiederum waren recht teuer, sodass ich sie nur selten aussuchte.
Alle waren sie aber in großen, runden und durchsichigen Boxen. Irgendwann kam dann eine Bäckereifachverkäuferin zu einem herüber, nahm eine der kleinen Bäckertüten und dann durfte man auswählen, was man haben wollte – und wie viel.
Nach der Schule hielt ich eigentlich nie dort, immer nur vorher, um für die Pause gerüstet zu sein.

Leben

Entscheidungen

6. Juni 2016

Es gibt so Momente im Leben, da muss man sich entscheiden.
Manchmal sind es große, wichtige Dinge, manchmal ganz kleine.
Gut ist es, wenn man wenigstens (fast) nur für sich entscheidet. Nicht so gut, wenn jemand anders mit im Spiel ist, der keine Entscheidungsmacht hat – oder nur eine begrenzte.
Heute musste ich mich entscheiden – für mich und gegen eine Gruppenarbeit. Für diese Entscheidung hatte ich nur wenig Zeit und schon bevor ich wusste, wie ich entscheiden würde, fühlte ich mich schlecht.
Es ist ja so, dass ich mein Leben und somit auch mein Studium mittlerweile vollständig selbst finanziere(n muss). Ein Zurück gibt es nicht, ich hatte vorher kaum Unterstützung, jetzt bin ich aber wirklich ganz für mich verantwortlich (den Liebsten lasse ich bei dieser Betrachtung jetzt mal außen vor, denn es ist keine Option für mich, ausschließlich zu studieren und ihn allein arbeiten zu lassen).
Nun ergab sich die Möglichkeit, mich auf eine Stelle mit mehr Geld und weniger Stunden zu bewerben – ist das nicht die scheinbar perfekte Kombination? Ich rechnete mir nicht viele Chancen aus, da ich pro forma nicht gut genug für die Stelle geeignet bin, beschloss aber, mich nichtsdestotrotz auf den Job zu bewerben.
Umso erfreuter war ich dann, als ich dazu eingeladen wurde, am 07. Juni an einer Bewerberrunde teilzunehmen. Diese wurde dann jedoch abgesagt und heute Mittag teilte man mir den Ausweichtermin mit: der 16. Juni. Super. Der einzige Tag im Juni, an dem ich wirklich, wirklich nicht kann. Denn: An diesem Tag wollte und sollte ich eine Stunde mit meiner liebsten Brieffreundin halten, eine Stunde, die benotet würde und damit dann meine erste Prüfungsleistung im Masterstudium gewesen wäre.
Ich rief also die zuständige Person an und fragte nach, ob es irgendeine Möglichkeit gäbe, den Termin zu verschieben… Das Problem war nur, dass eben alle Bewerber*innen an diesem Tag eingeladen sind. Durch die Blume sagte man mir, dass ich raus sei, wenn ich den Termin nicht wahrnehmen könne, da eine Verschiebung nahezu unmöglich sei.
Gut, könnte man nun sagen, was soll’s, dann wollen sie mich eben nicht genug. Es ist aber so, dass meine aktuelle Stelle befristet und eine Weiterbeschäftigung zur Zeit wirklich vollkommen offen ist. Es wäre also möglich, dass ich, wenn ich nicht zu diesem Bewerbungsgespräch gehe, bald ganz ohne Stelle dastehe.
Ich überlegte hin und her, vereinbarte einen ganz spontanen Termin mit dem Dozenten und meiner Freundin und musste dann entscheiden.
Ich entschied mich für mich, für die Bewerbung.
Immer mit dem Wissen im Hinterkopf (und momentan auch ganz vorne in den Gedanken), dass ich bei Ablehnung gar nichts habe, weder die Stelle, noch meine Prüfungsleistung. Darüber muss ich noch hinwegkommen.
Viel schlimmer finde ich jedoch die Tatsache, si kurzfristig eine gemeinsame Arbeit abgesagt zu haben. Ich möchte immer verlässlich sein und eine gute Partnerin, aber das ist nicht immer möglich.
Nun sitze ich seit über einer Stunde hier und grübele und wäge ab, auch wenn an sich alles entschieden ist.
Mein schlechtes Gewissen ist riesig und dazu kommt, noch von früher, gleich der Wunsch, mich für das im-Stich-lassen einer sehr guten Freundin zu bestrafen. Ich bemühe mich, das nicht zu tun sondern die Situation so anzunehmen, wie sie ist: vertrackt.
Ich kann nichts mehr ändern, nur versuchen, das Beste daraus zu machen.
Ich kann Hilfestellung anbieten, Bücher weitergeben und kopierte Artikel mitbringen. Und mich so gut es geht aus das kommende Gespräch vorbereiten. Während dem ich dann hoffentlich nicht daran denke, dass ich momentan eigentlich in der Uni sein solle.
Und es nicht bin.

Leben

Bodhránwochenende

29. Februar 2016

Es gibt so Erlebnisse, die sich für mich nur schwer in Worte fassen lassen. Das vergangene Wochenende gehört zwar dazu, ich möchte es aber trotzdem gern versuchen.

Die Vorgeschichte reicht wohl etwa ein Dreivierteljahr zurück, denn da erfuhr ich erstmalig von jenem Instrument, welches mich seitdem so fasziniert: Ich sah (und hörte) zum ersten Mal eine Bodhrán. Die Bodhrán ist eine irische Rahmentrommel, bei der eine Hand mit dem Tipper spielt, während die andere Hand (die Fellhand) die Tonhöhe verändert. Ein paar sehr beedinruckende Spieler sind beispielsweise John Joe Kelly oder auch Rónán Ó Snodaigh, um nur zwei zu nennen (natürlich gibt es noch viel mehr tolle und vor allem sehr unterschiedliche Spieler).

Um nun nicht zu weit auszuholen: Ich beschäftigte mich etwas mehr damit und kam so auf die Seiten von Rolf und Guido. Die beiden bieten jeweils im Frühjahr und im Herbst Bodhrán-Weekends an und ich beschloss, dass ich das zu gern irgendwann einmal machen möchte. Nun ergab es sich, dass der Liebste und ich am letzten Wochenende den Freitag frei hatten. Eine Woche zuvor las ich, dass das nächste Bodhrán-Weekend undmittelbar bevorstand, also kontaktierte ich Rolf und fragte ihn, ob noch zwei Plätze und ein Doppelzimmer frei seien. Beides bejahte er nach Rücksprache mit Guido und so meldeten der Liebste und ich uns direkt ohne langes Zögern an.

Freitagnachmittag machten wir uns also auf den Weg zur Proitzer Mühle, wo wir das Wochenende verbringen wollten. Der Weg dorthin war gar nicht so leicht zu finden, durch viele kleine Dörfer, ein langes Stück Wald und viele kleine Straßen entlang fuhren wir, bis wir ankamen. Dort waren auch schon einige andere Teilnehmer, die uns erklärten, wie alles funktionierte. Also holten wir unseren Zimmerschlüssel und bezogen unser Quartier. Ein wunderschönes Zimmer erwartete uns – ich muss aber dazu sagen, dass ich alle Zimmer, die ich so gesehen habe, wirklich schön fand. Überall alte Holzmöbel, alles sehr liebevoll eingerichtet und insgesamt total stimmig.

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Nach dem Abendessen gab es eine Begrüßungsrunde und dann ging es auch direkt los, die erste Bodhránstunde stand an. Ich suchte mir also eine Bodhrán und einen Tipper aus und schon startete Guido mit Erklärungen und unsere kleine Gruppe spielte zum ersten Mal. Das war schon ein ziemlich tolles und aufregendes Gefühl. Sofort spürte ich, wie viel Spaß mit das ganze machte und ich sog alle Informationen, die wir bekamen, förmlich auf. Ganz schnell war die Zeit um und im Anschluss ging es hinüber ins Haupthaus, wo es am Abend eine Slow Session mit Hamburger Musiker*innen geben sollte. Die Stimmung war fabelhaft, die Jigs und Reels nicht zu schnell und so war es auch uns absoluten Anfängern möglich, ein paar Stücke leise mitzuspielen – ein ziemlich erhebendes Gefühl.
Zudem gab es noch ein – eher ungewöhnliches – Whiskytasting. Dieses bestand nämlich darin, dass Interessierte einen Schluck ihres eigenen Whisky mitbringen konnten, um dann auch bei den Anderen zu probieren und sich auszutauschen. Glücklicherweise hatte mein Liebster eine Flasche dabei und so probierte auch ich an diesem Abend mal einen sehr milden Schluck.
Immer wieder ergaben sich gute Gespräche mit den Anderen, bis wir dann gegen zwei Uhr ziemlich müde ins Bett fielen.

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Der nächste Morgen startete etwas langsam mit einem reichhaltigen Frühstück. Die Stimmung war müde aber gut und spätestens nach dem TaKeTiNa-Kurs von Dörthe waren die Meisten wieder wach.
Ich selbst hatte zuvor noch nie TaKeTiNa gemacht und muss sagen, dass es mir wirklich gut gefallen hat. Vor allem für meine Konzentration war es sehr förderlich und hinterher machte sich eine wunderbar angenehme entspannte Wachheit in mir breit. Diese konnte ich auch gleich für die nächste Bodhránstunde, dieses Mal bei Rolf, nutzen. Auch so eine Sache, die mir gut gefallen hat: Alle Gruppen hatten abwechselnd bei Guido und Rolf Unterricht. Beide ergänzen sich wunderbar und ich konnte wirklich ganz viel mitnehmen.
An diesem Vormittag hatte ich zunächst eine andere Bodhrán in der Hand, um ein bisschen auszuprobieren. Und das war wirklich frustrierend für mich! Ich konnte sie einfach nicht gut spielen und wusste nicht, woran es lag. Bis es mir dann aufging: diese war kleiner, dafür aber etwas tiefer. Zwar klang sie wunderbar, doch die Proportionen stimmten für mich einfach nicht. Ich war so froh, als ich mein Instrument wiederfand!
Mittags gab es eine längere Pause zum Essen und Entspannen, bevor nachmittags wieder eine Stunde Unterricht folgte. Nach dem Abendessen gab es dann das nächste Highlight: Zuerst einen Vortrag von Rolf und dann ein wunderbares Konzert.
Kalüün spielten auf der Mühle und begeisterten mich wirklich. Die beiden Geschwisterpaare von der Insel Föhr machen wunderbar friesische Musik. Ruhige und schnelle Stücke wechselten sich ab und die Zeit verging wie im Flug. Glücklicherweise blieb die Band noch, um den Abend mit uns und einigen Sessionmusikern aus Hamburg und Hannover ausklingen zu lassen. Wieder wurde es ein toller, lustiger, und ziemlich langer Abend für fast alle von uns.

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Am nächsten Morgen fiel es mir echt schwer, nicht liegenzubleiben… Irgendwie schaffte ich es aber trotzdem, aufzustehen, meine Sachen zusammenzupacken und rechtzeitig beim Frühstück zu sein. Noch einmal nahmen wir danach am TaKeTiNa teil, hatten die letzte Bodhránstunde bei Rolf und brachen schließlich nach dem Mittagessen bei strahlendem Sonnenschein (wie das ganze Wochenende über) auf.
Ich hatte definitiv richtig viel Spaß und freue mich unglaublich darüber, dass ich mich schließlich dazu entschieden habe meine Bodhrán und meinen Tipper mit nach Hause zu nehmen. Viele der Informationen beginnen, sich zu setzen und ich denke, dass ich tatsächlich mein Instrument gefunden habe. Beim nächsten Workshop möchte ich auf jeden Fall wieder dabeisein !

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Leben

Ein Rückblick II | 2015

30. Dezember 2015

Glück

Nichts mehr,
was dich treibt,
nichts mehr,
was dich hält.
Auf den Hügel hinauf
und so lange
nach Innen singen,
bis die Stimme
dich aufhebt
und mitnimmt.

[Peter Härtling]
Dieses Gedicht  steht am Anfang meines Kalender für 2015. Wie auch schon im letzten Jahr möchte ich mir die Zeit nehmen, die Seiten, die ich mit Gedanken, Ereignissen und To-Do-Listen gefüllt habe, noch einmal durchzublättern um zu schauen, was so geschehen ist in diesem für mich sehr spannendem Jahr.
Januar, Februar, März
Silvester feiern wir in diesem Jahr mit Freunden bei uns. Es gibt chinesisches Essen, dazu Feuerzangenbowle (natürlich schauen wir auch den passenden Film) und wir sitzen gemütlich und entspannt zusammen. Nur drei Tage später geht es dann für eine Woche nach Dänemark. Dort ist es schön kalt, ich bin jeden Tag am Strand und freue mich über die Sonne, die mir ins Gesicht scheint, während die Meeresbrise mir entgegenpustet. Abends prasselt ein Kaminfeuer, wir spielen Karten, lesen, fahren Kerzen ziehen und entspannen alle zusammen. Ich kann es kaum glauben, als wir schon wieder zusammenpacken müssen, um unsere Heimreise anzutreten. Leider erfahre ich, dass meine Stelle an der Arbeit sehr… spontan eingekürzt wurde und so muss ich ganz schnell etwas neues finden! Den Job, den ich im Februar antrete, habe ich eigentlich aus der Not heraus angenommen. Trotzdem macht er mir Spaß (neben dem ganzen Stress) und ich lerne neue tolle Menschen kennen. Mein erstes Master-Semester beende ich mit gemischten Gefühlen. Zwar macht es mir Spaß, gleichzeitig ist der Unterschied zu meiner alten Uni aber immer spürbar und ich brauche einige Zeit, um mich einzufinden.
Wunderbar ist es, als ich meine liebste Brieffreundin kennenlerne, die mir über Facebook schreibt. Dass man auf diese Weise eine wirklich eine tolle Freundin finden kann, hätte ich nie geglaubt!
April, Mai, Juni
Über Ostern haben der Liebste und ich Besuch von unserem liebsten Studienfreund. Am Ostermontag gibt es einen Osterbrunch mit Freunden und wir haben eine tolle Zeit. Kurz danach schaffen die liebste Brieffreundin und ich es, uns gemeinsam mit unseren Männern zu treffen. Ich bin so aufgeregt und habe schrecklich Angst, dass wir uns in echt vielleicht gar nicht mögen könnten. Natürlich – zum Glück – ist das nicht der Fall; wir verbringen eine tolle Zeit zusammen und auch unsere Briefe reißen nicht ab. Der Liebste und ich beschließen, nach nun fast zwei Jahren der Verlobungszeit, doch endlich zu heiraten. Spontan suchen wir einen Termin und heiraten dann an einem traumhaften Ort bei gutem Wetter und im ganz kleinen Kreis. Das Wochenende danach verbringen wir in einer ehemaligen Schäferhütte. Wir lassen es uns richtig gut gehen und auch, wenn sich eigentlich nichts ändert, ist es doch plötzlich irgendwie anders. Ich fühle mich nun noch einmal auf eine ganz andere Weise verbunden.
Juli, August, September
Im Juli feiere ich meinen Geburtstag und meine längste Studienfreundin kommt endlich einmal zu Besuch. Ich freue mich total darüber; und noch mehr als ich merke, dass wir uns nach wie vor ganz wunderbar verstehen. Solche Freundschaften werden mir immer wichtiger, während ich Freundschaften, die immer loser und oberflächlicher geworden sind, nicht mehr brauche. In meinem Leben ist so viel los, lieber habe ich eine Hand voll Menschen, auf die ich mich immer verlassen kann als Freunde aus meiner Vergangenheit, mit denen mich (leider) nicht mehr viel verbindet. Dieser Schritt ist wirklich schwer für mich, aber ich spüre, dass es mir danach besser geht. Der Sommer besteht gefühlt hauptsächlich aus Radtouren, Ausflügen, Nachmittagen am Badesee und viel Kultur (Theater, Konzerte, …). Ich kann richtig entspannen und bin unglaublich froh, als sich Ende August eine neue Jobchance ergibt, die der Liebste und ich dann sogar gemeinsam ergreifen können. Zwar muss mein Studium dafür zurückstecken, aber finanzielle Unabhängigkeit, endlich mal (weitgehende) Sorglosigkeit und planbare Wochenabläufe sind mir wichtiger.
Oktober, November, Dezember
Der Oktober beginnt für mich in Wien, sozusagen mitten in der Hochzeitsreise. Dort ist es einfach fabelhaft, das Wetter, die Stadt, die Menschen, … Es ist so schön, dem Mann an meiner Seite Orte zu zeigen, die ich schon kenne und gemeinsam neues zu entdecken. Die Arbeit geht mir leicht von der Hand und es macht Spaß, Menschen endlich einmal wirklich helfen zu können. Erleichtert bin ich, als der Vertrag dann auch noch unerwartet verlängert wird. Nun kann Weihnachten kommen. Plätzchen, ein Weihnachtsbaum, Geheimniskärmerei und Geschenke, Musik und altgeliebte Bücher… Ich liebe diese Zeit! Außerdem besitze ich (gemeinsam mit dem Liebsten) fast schon plötzlich ein Auto, welches vieles erleichtert und uns ganz neue Möglichkeiten für spontane Erkundungstouren bietet. Fast schon traditionell gibt es am zweiten Weihnachtsfeiertag dann das Weihnachtsessen mit Freunden bei uns. Wir sitzen lange, lange zusammen und auch unser Studienfreund schafft es, dabei zu sein.
Viele Dinge habe ich ausgespart oder ausgelassen, aber auch so wirkt das Jahr auf mich sehr ereignisreich. Vieles ist passiert, auch in mir. Ich muss nicht mehr krampfhaft an alten Dingen festhalten, ich habe gelernt, loszulassen. In manchem kann ich gelassener sein und ich habe wieder einmal gemerkt, was mir wichtig ist.
Gespannt bin ich auf das, was nun vor mir liegt.